Der Sicherheitsrat der UN | Bildquelle: AFP

Israel und Palästina streiten im UN-Sicherheitsrat Der Krieg der Worte

Stand: 18.04.2016 19:30 Uhr

Geschrei, Anschuldigen und am Ende Tränen. Bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrates ist es zu einem Eklat gekommen. Die Vertreter Israels und der Palästinenser lieferten sich einen Krieg der Worte und brüllten "Schande über euch" durch den Saal.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Ban Ki Moon, der UN-Generalsekretär, schaute betreten vor sich aufs Pult. Minuten zuvor hatte er im Sicherheitsrat über die Lage im Nahen Osten berichtet. Israel und Palästina zum direkten Dialog über den Friedensprozess ermuntert, beide Seiten aufgefordert, endlich über das Stadium gegenseitiger Schuldzuweisungen hinwegzukommen. "Hört auf Euch zu beschimpfen, redet miteinander", sagte Ban.

Im Saal - fünf Meter voneinander getrennt -  saßen der israelische und palästinensische UN-Vetreter. Danny Danon, der Israeli, wandte sich direkt an Rijad Mansour, den Palästinenser. "Ihr verherrlicht Terroristen. Ihr bezahlt Selbstmordattentäter. Ihr benennt Straßen nach ihnen. Schande über Euch", ruft er quer durch den Saal.

Der UN-Vertreter von Palästina Rijad Mansour
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Harte Worte fielen zwischen Palästinas Vertreter Mansour ...

Israels Vertreter im Sicherheitsrat Danny Danon
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... und dem israelischen Vertreter Danon.

"Ihr bringt Tausende unserer Leute um"

Dann aber passiert Unerhörtes: Der chinesische Sitzungspräsident des Sicherheitsrates öffnet beide Mikrofone. Und der Israeli und der Palästinenser demonstrieren der Welt, wie es um den Dialog beider Völker steht: "Schande über Euch. Ihr verurteilt die Terroakte nicht", schreit der Israeli. "Schande über Euch, Ihr bringt Tausende unserer Leute um", ruft Mansour.

Der Hammer des chinesischen Sitzungspräsidenten ertönt. Der Zustand des Nahostkonflikts? Im Sicherheitsrat wurde er für alle sicht- und hörbar. Der Israeli Danon hatte eine Siedlerfamilie mitgebracht. Direkt hinter ihm saßen Vater und Tochter. Die Mutter war von einem 16-jährigen Palästinenser erstochen worden. Sechs Kinder sind nun Halbwaisen. Ein Beispiel.

Der Palästinenser Mansour zitierte einen palästinensischen Jungen, der einst vom australischen Außenminister gefragt, wovon er denn träume, antwortete: "Wovon soll ich noch träumen, wenn doch nichts davon wahr wird?" Sein Vorwurf: "Wenn Kinder nicht mal mehr träumen können, müssen wir hier doch die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit spüren." Dann weinte er mitten im Sicherheitsrat.

Bittere Minuten

Es waren bittere Minuten im höchsten UN-Gremium. Der Israeli Danon wiederholte seine Forderung: "Sag es hier, sag es laut. Wir Palästinenser verurteilen jede Form von Terror. Sag den einen Satz." Und wieder ein bisher nicht dagewesenes, direktes Rededuell im Sicherheitsrat: Mikrofon an. Der Krieg der Worte, Teil zwei: "Sie sind ein Besatzer, eine Kolonialmacht, lasst uns in Frieden", ruft der Palästinenser Mansour in den Saal. Ban schwieg zu all dem. Und just als sie sich im Sicherheitsrat anbrüllten, detonierte in Jerusalem ein Sprengsatz in einem Bus.

Morgen ist Palästinenserpräsident Abbas zu Gast in Berlin, um Kanzlerin Merkel seine Vision von einem Nahostfriedensprozess zu erläutern. Der Blick in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aber machte dafür wenig Hoffnung.

Eklat im UN-Sicherheitsrat
G. Schwarte, ARD New York
18.04.2016 18:50 Uhr

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