Israels Regierungschef Netanyahu | Bildquelle: dpa

Vor Besuch in Berlin Netanyahu empört mit Holocaust-Äußerung

Stand: 21.10.2015 16:02 Uhr

Ausgerechnet vor seinem Besuch in Deutschland macht Israels Regierungschef Netanyahu umstrittene Äußerungen zum Holocaust. Zuhause in Israel erntet er dafür Kritik. In Berlin trifft Netanyahu auf Kanzlerin Merkel und US-Außenminister Kerry.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Benjamin Netanyahu hat Vorwürfe im Gepäck, wenn er am Nachmittag in Berlin landet. Vorwürfe gegen den palästinensischen Präsidenten Abbas: Der hetze die Palästinenser gegen Israel auf, sei verantwortlich für die täglichen Attacken.

"In den vergangenen Wochen wurden Israelis überfahren, erschossen, erstochen oder sogar niedergemetzelt. Das liegt vor allem daran, dass Präsident Abbas - genauso wie die Hamas und der "Islamische Staat" - behauptet, Israel bedrohe die Al-Aksa-Moschee. Das ist eine komplette Lüge. Israel schützt vielmehr alle Heiligen Stätten. Wir halten die Vereinbarungen ein", sagte Netanyahu.

Die Aufwiegelung sei Ursache der Gewalt. So wird es Netanyahu erklären, wenn er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem amerikanischen Außenminister John Kerry in Berlin trifft.

"Nutzlose Gespräche"

Völlig nutzlose Gespräche seien das, sagt der israelische Oppositionspolitiker Nahman Shai. Zuerst müsse die israelische Politik ein Konzept entwerfen: "Die Welt jedes Palästinensers und jeder Palästinenserin sieht auch heute Morgen schrecklich aus. Es ist eine Welt ohne Hoffnung, ohne Zukunft. Und wir bieten ihnen absolut gar nichts an, das ist das Problem." Ob Ban Ki Moon komme oder Netanyahu nach Berlin fliege, das spiele keine Rolle, solange man nichts unternehme. "Wir müssen den Palästinensern endlich sagen, dass wir uns von ihnen trennen wollen, dass wir dies und jenes anbieten. Solange das nicht passiert wird der Schmerz der Palästinenser auch unser Leben hier zerstören", sagte der Politiker.

Der Großmufti von Jerusalem und Adolf Hitler

Vor seinem Abflug hat der israelische Ministerpräsident noch ein ganz anderes Diskussionsthema hinterlassen. Kurz zusammengefasst: Die Muslime seien schuld am Holocaust. Netanyahu sagte vor den 1700 Delegierten des Zionistischen Weltkongresses, der damalige Großmufti von Jerusalem habe Adolf Hitler erst zum Massenmord an den europäischen Juden gebracht.

Zitat von Regierungssprecher Steffen Seibert

"Ich kann für die Bundesregierung sagen, dass wir Deutsche insgesamt die Entstehungsgeschichte des mörderischen Rassenwahns der Nationalsozialisten, der in den Zivilisationsbruch der Shoah führte, sehr genau kennen. (...) Ich sehe keinen Grund, dass wir unser Geschichtsbild in irgendeiner Weise ändern. Wir wissen um die ureigene deutsche Verantwortung an diesen Menschheitsverbrechen."

Dafür bekommt er Widerspruch von der Leiterin der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem. Netanyahus Äußerung sei schlicht falsch, ein Treffen Hitlers mit Großmufti Haj Amin al-Husseini habe viel später stattgefunden. Auch der israelische Historiker Moshe Zimmermann ist empört: "Damit reiht sich Netanyahu in eine lange Reihe von Holocaust-Leugnern ein. Er tut etwas Unerhörtes. Er schiebt die Verantwortung Nazi-Deutschlands für die Shoa, für die Vernichtung der Juden, dem Mufti und der arabischen Welt zu. Das ist ein mieser Trick, mit dem er die arabische Welt anschwärzt."

Der israelische Oppositionsführer Isaac Herzog von der Arbeitspartei stellt fest: Netanyahu müsste es - als Sohn eines Historikers - besser wissen und sich an die Fakten halten. Und der Generalsekretär der PLO, Saeb Erekat, erklärte am Vormittag, Netanyahu hasse die Palästinenser offenbar so sehr, dass er dafür auch Adolf Hitler aus der Verantwortung für den Mord an sechs Millionen Juden entlasse.

Rainald Becker, ARD Berlin, zum Besuch Netanyahus
tagesschau 20:00 Uhr, 21.10.2015

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Netanjahu unterwegs nach Berlin
C. Wagner, ARD Tel Aviv
21.10.2015 15:32 Uhr

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