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Kämpfe in Nahost
Seit Mittwoch mehr als 60 Tote
Die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten dauern unvermindert an. Seit Mittwoch - dem Beginn der israelischen Militäroperation "Säule der Verteidigung" - kamen dabei mehr als 60 Menschen ums Leben: In Israel starben nach Angaben der Behörden drei Menschen durch eine aus dem Gazastreifen abgeschossene Rakete.
Über die Opfer auf palästinensischer Seite gibt es unterschiedliche Angaben. Das Gesundheitsministerium der Hamas-Regierung spricht von bis zu 65 Toten. Etwa die Hälfte davon seien Zivilisten. Zuletzt starben zehn Menschen in einem vierstöckigen Gebäude, das nach einem israelischen Luftangriff einstürzte.
TV-Gebäude in Gaza Ziel von Angriffen
Die israelische Armee bombardierte seit Mittwoch nach eigenen Angaben etwa 950 Ziele im Gazastreifen. Angegriffen wurden Stellungen von Hamas-Kämpfern - die oft in dicht besiedelten Wohngebieten liegen - aber auch Regierungsgebäude. In den vergangenen Stunden waren die Fernsehsender Al Kuds TV und Al Aksa TV Ziel von Angriffen. Beide Sender stehen der radikal-islamischen Hamas nahe. In den Gebäuden befinden sich aber auch Büros internationaler Medien. Auch ARD-Mitarbeiter hatten dort Büros. Sie blieben unverletzt.
Hamas: 900 Raketen auf Israel
Aus dem Gazastreifen heraus wurden nach Hamas-Angaben seit Mittwoch etwa 900 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der israelischen Armee konnten 273 davon vom Luftabwehrsystem "Iron Dome" abgefangen werden. Zuletzt wurden in den israelischen Städten Aschkelon, Beerscheva und Sderot mehrere Gebäude von Raketen direkt getroffen. Am Abend wurde auch in der Metropole Tel Aviv erneut Luftalarm ausgelöst. Die Rakete sei vom Abwehrsystem "Iron Dome" abgefangen worden, teilte die Armee mit.
Angriffe von beiden Seiten statt Waffenruhe
tagesschau 16:15 Uhr, 18.11.2012, Markus Rosch, ARD Tel Aviv
Frankreichs Außenminister in Jerusalem
Die diplomatischen Bemühungen um einen Waffenstillstand gehen unterdessen weiter. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius reiste in die Region. In Jerusalem traf er sich unter anderem mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. "Wir müssen die Bedingungen für eine Waffenruhe schaffen. Wir müssen einen Krieg in Gaza verhindern", sagte Fabius. Netanjahu sagte nach dem Treffen, bevor man über eine Waffenruhe reden könne, müssten die Raketenangriffe auf Israel aufhören.
In Ramallah im Westjordanland will sich Fabius noch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas treffen. Abbas betrachtet sich als Präsident aller Palästinenser, hat im von der Hamas regierten Gazastreifen aber de facto keine Macht.
Anfang der Woche wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach Kairo reisen, um mit Ägyptens Präsident Mohammed Mursi zu sprechen. Mursi ist ein Mann der Muslimbruderschaft, aus der auch die Hamas entstammt. Bei allen Vermittlungsversuchen dürfte er eine zentrale Rolle spielen. Nach offiziell nicht bestätigten Berichten befindet sich auch ein israelischer Unterhändler in Kairo.
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle plant eine Reise in die Region. Wichtigste Voraussetzung für einen Waffenstillstand sei ein Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen, die bereits "seit Monaten in zunehmender Zahl" stattfänden, sagte Westerwelle im "Bericht aus Berlin".
Bundesaußenminister Guido Westerwelle zum Gaza-Konflikt
Bericht aus Berlin 18:30 Uhr
Warnung aus London vor Folgen einer Bodenoffensive
Der britische Außenminister William Hague warnte Israel unterdessen eindringlich vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Ein solcher Einsatz würde Israel ein großes Maß an internationaler Unterstützung und Sympathie kosten, die das Land in der aktuellen Situation habe, sagte Hague dem Fernsehsender Sky News. Zivile Opfer seien bei einer Bodenoffensive schwerer zu vermeiden, zudem drohe ein solcher Einsatz den Konflikt zu verlängern. Israels Regierungschef Netanjahu hatte zuvor mit einer Ausweitung des Militäreinsatzes gedroht.
Stand: 18.11.2012 19:38 Uhr
