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Gewalt in Nahost
Bodenoffensive immer wahrscheinlicher
Israel hat trotz Hunderter Luftangriffe noch keines sein Ziele erreicht: Die Bürger werden aus dem Gazastreifen immer noch mit Raketen beschossen - inzwischen ist sogar Jerusalem bedroht. Nächste Eskalationsstufe könnte eine Bodenoffensive sein. Die Armee zieht immer mehr Reservisten ein.
Von Peter Kapern, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Die Anzeichen verdichten sich, dass Israel tatsächlich Bodentruppen in den Gazastreifen schicken will. Verteidigungsminister Ehud Barak will der Armee die Möglichkeit verschaffen, nicht nur wie bislang beschlossen bis zu 30.000, sondern maximal 75.000 Reservisten zu mobilisieren. Am Abend stimmte das Kabinett in einer Telefonkonferenz darüber ab. Das Fernsehen zeigt, wie Panzer und Panzerhaubitzen in der Nähe des Gazastreifens positioniert werden.
Außenminister Avigdor Lieberman untermauerte am Abend noch einmal, dass die Regierung gewillt ist, die selbstgesetzten Ziele der Militäroperation zu erreichen: "Wir werden die Ziele erreichen, die wir definiert haben. Allen voran die Wiederherstellung unserer Abschreckungskraft und die Vernichtung der Langstreckenraketen. Sobald wir diese beiden Ziele erreicht haben, werden wir die Operation beenden." Als drittes Ziel hatte Verteidigungsminister Barak am Mittwochabend noch "Sicherheit für die Menschen im südlichen Israel" hinzugefügt.
Alle drei Ziele sind bislang nicht im Ansatz erreicht. Die Israelis, die in der Nähe des Gazastreifens leben, verbringen Nacht auf Nacht in ihren Schutzräumen - trotz der mehr als 600 Angriffe, die Luftwaffe und Marine auf Ziele im Gazastreifen gestartet haben.
Sorge vor Bodenkrieg steigt
tagesthemen 21:45 Uhr, 16.11.2012, Bernd Niebrügge, ARD Tel Aviv
Raketenattacken auf Tel Aviv - und auf Jerusalem
Dass die Hamas noch immer über Raketen größerer Reichweite verfügt, erfuhren die Menschen in Tel Aviv und Jerusalem außerdem am Nachmittag. In beiden Städten heulten die Alarmsirenen, kurz darauf schlugen Raketen ein - jedoch außerhalb der Städte in unbewohntem Gebiet. Es gab keine Schäden. Tel Aviv war gestern schon Ziel einer Raketenattacke gewesen, die Bürger waren also wenig überrascht über den neuen Angriff.
Anders liegt aber der Fall in Jerusalem. Niemand hatte damit gerechnet, dass die Stadt der den Muslimen heiligen Moscheen auf dem Tempelberg zum Ziel palästinensischer Angriffe werden könnte. Zivilschutzminister Avi Dichter riet dennoch zur Gelassenheit. Es sei schwer verständlich, was diejenigen, die die Rakete dorthin geschossen haben, eigentlich erreichen wollten: Die Chance, ein arabisches Viertel zu treffen, sei viel größer als die, dass sie in einem israelischen Viertel landet.
"Keine Ahnung, vielleicht ist es ja die letzte Rakete dieser Reichweite, die sie haben, oder eine der letzten", meinte Dichter. "Vielleicht wollten sie zeigen, dass sie jeden Ort erreichen können. Ich denke nicht, dass das ein Grund zu besonderer Aufregung ist."
Ägyptens Premier kritisiert israelische "Aggression"
Am Vormittag hatte Ägyptens Premierminister Hischam Kandil den Gazastreifen besucht. Ägypten ist das Land, dem am ehesten die Vermittlung einer Waffenruhe zugetraut wird.
Kandil sagte nach seinem Treffen mit Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija, dass er genau das vorhabe: Ägypten werde alles in seiner Macht stehende tun, um "diese Aggression" zu beenden und eine Waffenruhe herbeizuführen, die auch eingehalten wird. "Bis ein ewiger Friede, gerecht und umfassend, erreicht wird - und ein palästinensischer Staat entsteht mit Jerusalem als seiner Hauptstadt", meinte der Ägypter: "Das ist der einzige Weg, Stabilität zu erreichen und die Interessen aller Völker der Region zu wahren - mit der Hilfe Allahs."
Noch eine Zielvorgabe, die im Moment eher geringe Chancen auf eine Realisierung hat.
Stand: 16.11.2012 22:14 Uhr
