Ausschreitungen in Bet El im Westjordanland | Bildquelle: REUTERS

Nahost-Konflikt Toter bei Ausschreitungen im Westjordanland

Stand: 05.10.2015 16:24 Uhr

Bei schweren Unruhen im Westjordanland ist ein palästinensischer Teenager getötet worden. Die Palästinenser machen Israel verantwortlich, deren Armee teilte mit, man untersuche den Vorfall. Israel hatte die Sicherheitsvorkehrungen nach den tödlichen Messerattacken auf Juden massiv verschärft.

Nach den tödlichen Messerattacken auf Juden in der Altstadt von Jerusalem reagiert Israel mit Härte: Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Westjordanland starb ein palästinensischer Junge. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Nach palästinensischen Angaben erlag der Dreizehnjährige im Krankenhaus seinen Verletzungen. Er sei von einer einzelnen Kugel in die Brust getroffen worden. Die israelische Armee teilte mit, der Vorfall werde untersucht. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen gewesen, Gummimunition zu verwenden. Ein weiterer 18-jähriger Palästinenser erlag in der Nacht einer Schussverletzung, die er am Sonntag nahe Tulkarem erlitten hatte.

Proteste Westjordanland | Bildquelle: REUTERS
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Ein aufgebrachter Palästinenser attackiert israelische Soldaten nahe der jüdischen Siedlung Bet El im Westjordanland.

Scharfe Sicherheitsmaßnahmen in Jerusalem

Unterdessen berichten Einwohner der Altstadt Jerusalems von massiv verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Palästinensische Händler legten aus Protest gegen die Einschränkungen die Arbeit nieder. Israel hatte die Sicherheitsvorkehrungen nach den jüngsten Angriffen auf Juden erhöht und Palästinensern aus dem Westjordanland für zwei Tage den Zutritt zur Altstadt und damit auch zum Tempelberg verboten. Premier Benjamin Netanyahu kündigte zudem an, Häuser von "Terroristen" würden im Schnellverfahren zerstört, palästinensische Randalierer würden in sogenannte Administrativhaft genommen. Die erlaubt eine mindestens sechsmonatige Haft ohne Anklage.

Dritte Intifada?

Auslöser der neuen Unruhen, die von Beobachtern als möglicher Beginn der dritten Intifada gewertet werden, ist ein Streit um den Tempelberg, der beiden Seiten heilig ist. Die Palästinenser werfen Israel vor, ihre dortigen Nutzungsrechte zu beschneiden. Israel bestreitet dies. Zunächst hatten junge radikale Palästinenser vermehrt israelische Sicherheitskräfte angegriffen, später waren mehrere Juden von radikalen Palästinensern erstochen worden. Im Westjordanland hatte ein mutmaßlich palästinensischer Täter ein jüdisches Elternpaar vor den Augen seiner vier Kinder erschossen.

Die neuerliche Eskalation wird international mit großer Sorge betrachtet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten dazu auf, Gewalt zu verurteilen und Ruhe zu bewahren, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Erst am Mittwoch war Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas vor den Vereinten Nationen in einer dramatischen Rede von den Friedensverträgen von Oslo abgerückt. Er warf Israel vor, mit dem Siedlungsausbau eine Zwei-Staaten-Lösung systematisch zu verhindern.

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