Rivlin wird neuer Präsident Israels Viel Applaus auch von der anderen Seite

Stand: 13.09.2016 20:17 Uhr

Mit dem Likud-Politiker Reuven Rivlin hat die Knesset keinen Unbekannten zum Präsidenten Israels gewählt. Rivlin unterlag vor sieben Jahren Schimon Peres - nun wird er sein Nachfolger. Nach der Wahl gab es viel Applaus für ihn - auch von der gegnerischen Seite.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Als Parlamentspräsident Yuli Edelstein das Ergebnis der Stichwahl bekannt gibt, liegt gespannte Erwartung im Plenarsaal der Knesset: Reuven Rivlin, den auch der Parlamentspräsident bei seinem Spitznamen Ruby nennt, hat 63 Stimmen der Abgeordneten in Jerusalem bekommen. Sein Kontrahent, Meir Schitrit, erhielt 53 Stimmen.

Wieder ein knappes Ergebnis - aber diesmal reicht es: Vor sieben Jahren war Rivlin schon mal angetreten und hatte gegen Schimon Peres den Kürzeren gezogen. Und seine Erleichterung lässt er sich anmerken: Der neugewählte Präsident lässt die Demokratie und den Staat Israel hochleben - erste Gehversuche mit präsidentiellem Pathos.

Seinem Vorgänger Peres, dem letzten noch aktiven Vertreter der israelischen Gründergeneration, will er aber erklärtermaßen nicht nacheifern – zumindest was die außenpolitische Rolle angeht. Er wolle keinesfalls der Top-Diplomat Israels sein, sondern sich vielmehr darum bemühen, die zersplitterte israelische Gesellschaft zusammenzuhalten. Er wolle die Residenz des Präsidenten zu einem Haus für Partnerschaft, Dialog und Verständigung machen.

Israels neu gewählter Präsident, Rivlin, im Gespräch mit Premier Netanjahu. | Bildquelle: AFP
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Israels Premier Netanjahu (links) im Gespräch mit dem neu gewählten Präsidenten, Rivlin.

Rivlin lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab

Schöne Worte, bei denen diejenigen die Augenbrauen hochziehen, die sich in Israel für einen Dialog und eine Verständigung mit den Palästinensern einsetzen. Denn Rivlin ist bekannt für seine grundsätzliche Ablehnung eines eigenen Staates für die Palästinenser: Keine zwei Staaten, sondern nur ein Staat Israel - das ist sein Credo.

Trotzdem bekommt Rivlin an diesem Tag in der Knesset viele Schulterklopfer und viel Applaus auch von denen in der israelischen Politik, die mit Koalitionsbruch drohen, sollten Siedlungen im Westjordanland annektiert werden. Nein, mit dieser Präsidentenkür feiert sich die Politik Israels selbst.

Auch Justizministerin Zipi Livni, deren Kandidat Meir Schitrit unterlegen ist, stimmt ein: "Wir glauben, dass die letzte Runde, der Kampf zwischen unserem Kandidaten Schitrit und Rivlin ein gerechter und fairer Kampf war. Die beiden respektieren sich und ich denke, das war an der gegenseitigen Umarmung zu sehen."

Kein Außenseiter und keine Frau im Präsidentenamt

Da können Nicht-Politiker wie der abgeschlagene Präsidentschaftskandiat Dan Schechtman nur abseits stehen. Nachdem der Chemie-Nobelpreisträger nur eine einzige Stimme bekommen hatte, warf er der israelischen Politik insgesamt vor, sie sei abgehoben und wisse nicht mehr, was im Land vor sich gehe.

Kein Außenseiter und keine Frau im Präsidentenamt - das war nach dem ersten Wahlgang schon klar. Denn auch die beiden Kandidatinnen Dalia Itzik und Dalia Dorner bekamen nicht genug Stimmen. Jetzt also wird Rivlin Hausherr in der Residenz des Präsidenten. Wohnen will er dort nicht, hat er angekündigt. Bescheidenheit kommt gut an, nach diversen Korruptionsaffären im Land.

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