Eine Frau kommt aus einer Wahlkabine. | Bildquelle: dpa

Wahlausgang in Island Großes Zittern um die Mehrheit

Stand: 30.10.2016 02:15 Uhr

In Island könnte es zu einem Machtwechsel kommen. Nach bisheriger Auszählung der Stimmen hat das Bündnis aus regierender Unabhängigkeitspartei und Fortschrittspartei die Mehrheit im Parlament verloren. Aber auch ein von den Piraten angestrebtes Viererbündnis muss um eine Mehrheit bangen.

Nach den Parlamentswahlen in Island steht die Regierung aus Rechtsliberalen und Konservativen möglicherweise vor dem Aus. Ersten Zahlen nach Schließung der Wahllokale zufolge reicht es für die Zweierkoalition wie erwartet nicht mehr zu einer Mehrheit im Parlament.

Aber auch eine von den Piraten angestrebte Viererkoalition mit Links-Grünen, Sozialdemokraten und der Partei Bright Future käme demnach nicht auf die dafür erforderlichen 32 Sitze. Das liegt vor allem am schlechten Abschneiden der Sozialdemokraten. Sowohl die Links-Grünen als auch die Piratenpartei können nach den ersten Zahlen des Rundfunksenders RUV auf deutliche Zugewinne hoffen. Momentan liegen sie auf Platz zwei und drei.

"Wir sind in einer guten Position, aber die Nacht ist noch jung", sagte Parteichefin Katrin Jakobsdottír, die in einer Viererkoalition Ministerpräsidentin werden könnte.

Stärkste Kraft ist bislang die regierende konservativen Unabhängigkeitspartei, deren Chef, Bjarni Benediktsson, dem isländischen Rundfunk sagte: "Ich bin sehr glücklich über diese ersten Trends."

Eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale lagen noch nicht aus allen sechs Wahlbezirken Zahlen vor. Auch zur Wahlbeteiligung war noch nichts bekannt. Rund 246.500 Isländer hatten insgesamt abstimmen dürfen. Mit einem Endergebnis wird bis zum Morgen gerechnet.

Die Abwahl der Regierung galt bereits vor der Abstimmung als sicher, obwohl die Wirtschaft wächst, der Tourismus boomt und es so gut wie keine Arbeitslosigkeit auf der Insel gibt. Seit der Finanzkrise und dem Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken 2008 fehlt vielen Isländern das Vertrauen in die etablierten Parteien. Durch die Enthüllungen der "Panama Papers" war es erneut erschüttert worden.

Vorgezogene Neuwahl wegen "Panama Papers"

Die eigentlich erst im kommenden Jahr anstehende Parlamentswahl in Island war in Folge des Skandals um die "Panama Papers" vorgezogen worden. Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson war im April wegen der Enthüllungen zurückgetreten. Sein Name war im Zusammenhang mit Finanzgeschäften von Briefkastenfirmen aufgetaucht. Mit massiven Protesten setzten Islands Bürger auch vorgezogene Neuwahlen durch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2016 um 03:05 Uhr.

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