Die Fahne Islands in Reykjavik. | Bildquelle: AP

Island nach der Wahl Regierung gesucht

Stand: 30.10.2016 18:28 Uhr

Die Isländer haben ihre Regierung abgewählt - doch klare Mehrheitsverhältnisse hat die Parlamentswahl nicht gebracht. Der kleine Inselstaat im Nordatlantik steht vor einer kniffligen Aufgabe. Regierungschef Johannson trat schon mal zurück.

Nach den deutlichen Einbußen für die Regierungskoalition bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Island ist Regierungschef Sigurdur Ingi Johannsson zurückgetreten. Er habe seinen Rücktritt bei Präsident Gudni Johannesson eingereicht, der ihn gebeten habe, bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt zu bleiben, sagte Johannsson anschließend in Reykjavik.

Die Wahl hatte zwar wie erwartet starke Verluste für die regierende Mitte-Rechts-Koalition, aber keine klaren Mehrheitsverhältnisse gebracht. Island steht nun vor einer schwierigen Regierungsbildung. Denn auch auch ein von den Piraten angestrebtes Viererbündnis mit Links-Grünen, Sozialdemokraten und der Partei "Bright Future" ("Glänzende Zukunft") kommt trotz großer Zugewinne für die Piraten auf keine Mehrheit im isländischen Parlament. Wer künftig in dem Inselstaat im Nordatlantik regiert, ist deshalb am Tag nach der Wahl noch unklar.

Kleine Partei in der Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle bei den anstehenden Verhandlungen kommt wohl der neuen Reformpartei "Vidreisn" zu, die es als siebte Partei ins Parlament schaffte. Sie besteht zu einem großen Teil aus Ex-Konservativen, die eine Wiederaufnahme der Gespräche über einen EU-Beitritt Islands befürworten und sich deshalb mit ihrer Partei überworfen hatten.

Island hat nur 332.000 Einwohner, zog jedoch unter anderem in der Finanzkrise 2008 und bei der Veröffentlichung der "Panama Papers" große Aufmerksamkeit auf sich. Auf den Listen der "Panama Papers" zum Kapitalbesitz in Steuerparadiesen fanden sich 600 Isländer wieder. Der damalige isländische Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson trat nach den Enthüllungen im April zurück. Die Enthüllungen hatten die größten Proteste in der Geschichte Islands ausgelöst. Die Wahlen waren deshalb vorgezogen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2016 um 20:00 Uhr.

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