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Der schon fast vergessene Donald Rumsfeld irrte: Was Muslime über den Westen denken, wisse niemand. Schließlich könne es dazu keine Umfrage geben. Falsch: Sechs Jahre und 50.000 Interviews später hat das Gallup-Institut seine Studie vorgestellt.
Von Frank Aischmann, MDR-Hörfunkstudio Washington
Manchmal hat ein Chef einfach eine richtig brilliante Idee. Im konkreten Fall Jim Clifton, Boss des Meinungsforschungsinstituts Gallup.
Es passierte kurz nach dem 11. September 2001. Eines Nachts habe er da vor dem Fernseher gesessen, erzählt er, und da wurde Verteidigungsminister Rumsfeld gefragt: Was denken eigentlich diese Muslime? An die unvergessliche Antwort erinnert sich Clifton noch genau: Das weiß keiner, man kann schließlich keine Gallup-Umfrage machen. "Also rief ich unsere besten Fachleute in Princeton an und fragte sie: Wie viele Muslime gibt es eigentlich - sie sagten: über eine Milliarde. Ich fragte: Und können wir deren Meinungen erheben? Und sie antworteten: Ja."
Sechs Jahre und über 50.000 Interviews später glaubt Gallup, die alte Rumsfeld-Frage beantworten zu können - und gleichzeitig einige eingefahrene Sichtweisen und Vorbehalte des Westens zu widerlegen. Sind Muslime besonders empfänglich für Antiamerikanismus, unterstützen sie wirklich Terroranschläge? Zweimal Nein, sagt Dalia Mogahed vom Gallup-Center für Muslimische Studien. Sie leitete die Untersuchung.
Nur sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung weltweit hält die Anschläge des 11. September demnach für gerechtfertigt und hat antiamerikanische Ansichten. Die Mehrheit, 93 Prozent, sprach über den Verlust von unschuldigen Menschenleben, dass Gott Mord ablehnt, einige brachten als Begründung den Koranvers, wenn jemand einen Menschen ungerechtfertigt tötet, ist das so, als hätte er die ganze Menschheit getötet.
Überraschend fand Mogahed vor allem dies: "Die politisch radikalen Moslems dagegen gaben in nicht einem einzigen Fall religiöse Motive zur Rechtfertigung von Terror an, sondern politische: Amerika habe das für seinen Imperialismus verdient, und Ähnliches."
Überraschend auch für die Autoren der weltweiten Umfrage: Die Gruppe mit den radikaleren Ansichten unterscheidet sich in ihrer Religiosität nicht vom Durchschnitt, ist dagegen höher gebildet und wohlhabender als die moderate Mehrheit und würde sogar demokratische Veränderungen in der eigenen Heimat begrüßen - glaubt aber nicht daran. Während Muslime mehrheitlich als größte Sorge die persönliche und wirtschaftliche Sicherheit angaben, nennen jene sieben Prozent mit extremeren Ansichten Fremdbestimmung, Beherrschung oder gar Besetzung ihres Landes durch die Vereinigten Staaten.
Eine andere Theorie, was zur Radikalisierung führt, präsentierte Präsident Bush kurz nach dem 11. September: "Amerikaner fragen sich, warum hassen die uns? Sie hassen unsere Freiheiten, die Religions- und Pressefreiheit, das Recht zu wählen, sich zu versammeln und zu widersprechen", sagte er. "Wir wollten auch diese Theorie mit unseren Daten untersuchen", berichtet Mogahed. "Wir haben gefragt: Was schätzen sie am Westen besonders? Die zwei Top-Antworten weltweit: Die Technologie sowie als Nummer zwei: Freiheit und Demokratie. Übrigens, diese Frage in den Vereinigten Staaten gestellt brachte genau das gleiche Ergebnis."
Was also steht einem besseren Verhältnis aus Sicht der islamischen Welt im Wege? Dalia Mogahed blickt auf die Umfrageergebnisse: "Was die Menschen besonders am Westen stört, ist die Wahrnehmung, dass ihr Glaube und dass die Gläubigen nicht respektiert werden." Nur wenige, nämlich 16 Prozent der moderaten und nur zwölf Prozent der radikalen Muslime meinten, dass westliche Nationen islamische Werte anerkennen. "Was sollte der Westen tun? Die häufigste Antwort: Hört endlich auf, auf Muslime herabzusehen."
Die Gallup-Umfrage: "Wer spricht für den Islam - Was eine Milliarde Muslime wirklich denkt" füllt ein ganzes Buch – und dieses Buch wird im März erscheinen.
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