Islamischer Staat im Nordirak Jesiden auf der Flucht vor Terrormiliz

Stand: 04.08.2014 15:19 Uhr

Nach ihrem weiteren Vormarsch im Norden des Irak haben Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) 67 junge Männer mit Schüssen hingerichtet. Bei den Opfern aus der Stadt Sindschar habe es sich um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden gehandelt, berichteten Augenzeugen. Sie hätten sich geweigert, zum Islam überzutreten. Die kurdische Nachrichtenagentur Bas News meldete, 88 junge Männer seien hingerichtet worden.

Eine Ölraffinierie in Brand bei Kämpfen zwischen irakischen Truppen und Islamisten | Bildquelle: dpa
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Die Extremisten zielen auf wichtige Infrastruktur wie Ölraffinerien.

Die Terrororganisation hatte innerhalb weniger Tage ihr Herrschaftsgebiet im Nordirak ausgedehnt. Unter anderem hat sie die drei Städte Sumar, Sindschar und Wanar unter ihre Kontrolle gebracht. Auf der Internetseite der IS hieß es, es seien zudem zwölf Dörfer erobert worden. Der irakischen North Oil Company zufolge nahmen die Islamisten auch zwei weitere Ölfelder nahe einer wichtigen Pipeline zwischen dem Irak und der Türkei ein.

Nach Angaben der UN sind rund 200.000 Menschen auf der Flucht vor den IS-Extremisten, die meisten von ihnen Jesiden. Etwa 40.000 Angehörige seiner religiösen Minderheit seien allein aus den Städten Sindschar und Sumar geflohen, sagte der Sprecher der Jesiden, Dschauhar Ali Begg. Die militanten Mitglieder der IS-Gruppe hätten den Jesiden ein Ultimatum gestellt, entweder zum Islam überzutreten, Steuern zu zahlen oder getötet zu werden, sagte Begg.

Die Region wird überwiegend von Kurden bewohnt. Sie gehört zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, stand aber zuletzt unter Kontrolle kurdischer Peschmerga-Kämpfer, die immer stärker unter Druck geraten. Ein Vertreter der Peschmerga sagte, die kurdischen Milizen hätten sich in die Berge zurückgezogen, um auf Verstärkung zu warten.

Waffenhilfe aus den USA erbeten

Vertreter der autonomen Kurdenregion baten die USA um Waffen, um sich gegen die Extremisten zur Wehr setzen zu können. Ein entsprechendes Ersuchen habe eine kurdische Delegation bereits Anfang Juli in Washington vorgetragen, hieß es in Kreisen der kurdischen und der US-Führung. Die USA wollten prüfen, wie die Verteidigungsfähigkeit der Kurden verbessert werden könne.

Die Kurden erklärten, ihre Kämpfer benötigten Panzer, Ausrüstungen für Scharfschützen, gepanzerte Truppentransporter, Artillerie und Munition. Auf der Liste stünden zudem Schutzwesten, Helme sowie Tank- und Sanitätsfahrzeuge. Das werde nicht nur zum Schutz der Kurdengebietes gebraucht, sondern auch zur Verteidigung der irakischen Flüchtlinge, die sich in die Obhut der kurdischen Peschmerga-Miliz begeben hätten.

Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki ordnete einen Einsatz der Luftwaffe in der Region an, die die Peschmerga-Miliz im Kampf gegen die IS unterstützen soll.

Die Eroberungswelle der Islamisten begann Anfang Juni. Seitdem überrannten sie weite Landesteile im Irak und riefen einen Gottesstaat, ein Kalifat, aus. Danach änderte die Miliz ihren Namen von ISIS in IS um. Auch in Syrien kontrollieren sie einige Gebiete.

Kämpfer der Terrorgruppe IS in der nordsyrischen Provinz Rakka | Bildquelle: AP
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Die nordsyrische Provinz Rakka wird von Kämpfern der Terrorgruppe "Islamischer Staat" kontrolliert.

Lufthansa meidet IS-Gebiet, fliegt aber nach Erbil

Die Lufthansa entschied unterdessen, die von der IS kontrollierten Gebiete weiterhin zu umfliegen. Nach Beratungen mit den Sicherheitsbehörden soll jedoch die nordirakische Stadt Erbil von heute an wieder angeflogen werden, wie Europas größte Fluggesellschaft mitteilte. Die An- und Abflüge sollten allerdings nicht über das Krisengebiet führen. Erbil liege deutlich außerhalb der direkten Krisenzone im Irak, so die Lufthansa.

Auch die Konzerntöchter Lufthansa Cargo, Austrian Airlines und Swiss seien davon betroffen. Lufthansa fliegt Erbil zweimal wöchentlich an, Austrian Airlines sogar täglich. Die Lufthansa hatte am Freitag bekanntgegeben, den irakischen Luftraum zunächst bis Sonntag meiden zu wollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. August 2014 um 20:00 Uhr.

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