Japanerin blickt in die Gegend

Japan ein Jahr nach dem Tsunami Es gibt kleine Zeichen der Hoffnung

Stand: 28.02.2012 13:06 Uhr

Der Tsunami vor knapp einem Jahr hat ganze Regionen an der Küste Japans verwüstet. Zerstörte Häuser gehören dort seitdem zum Stadtbild. Doch die Japaner arbeiten daran, ihre Städte wieder aufzubauen - und schöpfen langsam aber sicher wieder Hoffnung, wie Peter Kujath berichtet.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio, zurzeit in Ishinomaki

Toshio Mori ist in der neunten Generation Chef eines Soba-Ladens in Ishinomaki. Seit 150 Jahren betreibt er das Nudel-Restaurant. "Wir haben uns schon Sorgen gemacht, ob die Kunden zurückkommen werden. Aber zum Glück sind sie uns treu geblieben. Nach der Wiedereröffnung im Juni hatten wir wirklich viel zu tun. Aber jetzt hat sich die Lage weitgehend normalisiert." Zum Glück, denn nach der Tsunami-Katastrophe vom 11. März 2011 wäre beinahe alles vorbei gewesen.

Kleine Zeichen der Hoffnung in Japan
P. Kujath, ARD Tokio
27.02.2012 16:49 Uhr

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"Ich war nicht im Laden, als der Tsunami hereinbrach. Ich war unterwegs, um meine Kinder von der Schule abzuholen. Mein ältester Sohn hat mir später erzählt, dass das Wasser eine Höhe von 2,40 Meter erreichte. Letztlich hatten wir Glück im Unglück. Andere Teile der Stadt waren noch viel schlimmer betroffen. Bei uns floss das Wasser nach drei Tagen wieder ab."

Geld für den Wiederaufbau kommt vom Roten Kreuz

Tage lang schaufelte die Familie Mori danach den Schlamm aus den Räumen. Den traditionellen Speicher im Hof des Hauses mussten sie abreißen. Das Dach ist ein Jahr danach nur notdürftig repariert, weil das Geld fehlt.

"Vom Roten Kreuz haben wir 1,5 Millionen Yen bekommen, die Stadt hat 520.000 Yen für erste Reparaturen gegeben und vom Staat werden wir wohl 3,9 Millionen Yen bekommen. Aber wie Sie sehen können, ist alles noch etwas provisorisch, weil das Geld vom Staat erst im Juni ausgezahlt wird."

Die Zeichen der Zerstörung prägen bis heute das Stadtbild von Ishinomaki.
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Die Zeichen der Zerstörung prägen bis heute das Stadtbild von Ishinomaki.

Im Vergleich zu den zerstörten Schaufensterscheiben in den verlassenen Häusern der Umgebung, wirkt der Soba-Laden in Ishinomaki fast wie eine Oase der Normalität. Toshio Mori räumt ein, dass es Neid gibt seitens der Nachbarn. Er habe bei der Stadt darauf gedrängt, dass hier ein kleines Zentrum mit Krankenhaus und Einkaufsmöglichkeit errichtet werden soll, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Immer noch viele Ruinen

Bizarr wirkt dagegen das Haus von Kiyomi Abe in der Nähe des Hafens. Verstärkt wird der Eindruck durch die untergehende Sonne, die nur mehr ein fahles Licht auf die Ruinen wirft. Der Schutt ist zwar zusammengeräumt, aber die halb zerstörten Häuser sind weder abgerissen noch wieder aufgebaut worden. In einem Umkreis von 500 Metern durchdringt allein die Lichterkette an Abes Haus die Dämmerung. "Die Hälfte habe ich bereits repariert. Die andere Hälfte muss ich noch fertig machen. Ich tue das für meine Frau. Wenn es warm wird, mache ich mich wieder an die Arbeit."

Im April vergangenen Jahres hat Kiyomi Abe begonnen, sein Haus von all den aufgeweichten Teilen zu befreien. Damals war es nur noch ein Holzgerippe. Abe zeigt Stelle, an der er seine Frau gefunden hat. Sie lag tot auf der Seite am Fenster.

Geschlossene Läden in Ishinomaki
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Mit dem Jahrestag kommen auch die Erinnerungen

Kiyomi Abe war unterwegs, als der Tsunami kam. Erst drei Tage später fand er die Leiche seiner Frau vergraben im Schlamm. 30 Jahre wohnten sie gemeinsam in diesem Teil von Ishinomaki. Deshalb wollte er nicht weg.

Im Wohnzimmer ist vor den Fotos seiner Frau ein großer Altar aufgebaut. Jetzt zum Jahrestag falle es ihm besonders schwer, sich an das Geschehene zu erinnern, meint Abe. Damals seien sie noch zusammen gewesen, und es hatte sich noch nichts verändert. Doch jetzt, ein Jahr nach der Katastrophe, ist es schwierig.

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