Erwachsene und Kinder verlassen die Trümmer der irakischen Stadt Mossul. | Bildquelle: dpa

Mossul und Rakka Die vermissten Kinder des IS

Stand: 28.07.2017 18:02 Uhr

In Mossul und Rakka werden auch Kinder von Deutschen vermisst - ihre Eltern reisten mit ihnen zum IS aus oder bekamen die Kinder dort. Sie haben Anspruch auf konsularische Hilfe - die zu vermitteln ist schwierig.

Von Volkmar Kabisch, Georg Mascolo und Amir Musawy

Was geschieht mit den Kindern der deutschen Dschihadisten im Kriegsgebiet von Mossul und Rakka? Der Fall von zwei vermissten deutschen Jungen im Alter von sechs und zehn Jahren hat das Auswärtige Amt und die Sicherheitsbehörden alarmiert. Sie waren mit ihrer Mutter Fatima M., einer von vier deutschen Frauen die unlängst in Mossul festgenommen wurden, in einem Keller der umkämpften Stadt. Nach einem Beschuss stürzte die Kellerdecke ein, seither sind die Jungen verschwunden. Das Auswärtige Amt bemüht sich um Informationen.

Ganze Familien reisten zum IS aus

Wie die beiden Jungen befinden sich noch viele weitere Kinder deutscher Staatsangehörigkeit im umkämpften Kalifat, ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, aber sie soll beträchtlich sein. Zeitweilig reisten ganze Familie zum IS aus, hinzu kamen deutsche Jugendliche die zum IS reisten und sich dort mit Kämpfern vermählen ließen. So wie die aus Sachsen stammende Linda W., die ebenfalls zu der Gruppe der in Mossul festgenommen Frauen gehört.

Wie viele Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit im Kalifat geboren wurden, ist unbekannt. Hilfsorganisationen und Sicherheitsbehörden wissen aber von etlichen Fällen in denen die in Deutschland verbleibenden Familien Nachrichten über die Geburt eines Kindes erhielten. In den Sicherheitsbehörden nennt man diese Kinder "die Opfer ihrer Eltern". Anders als diese hätten sie schließlich niemals freiwillig den Entschluss gefasst, sich dem IS anzuschließen.

Konsulat steht vor Problemen

Im schrumpfenden Kalifat harren nicht nur zu allem entschlossene Kämpfer aus. Sondern auch hilflose Kinder und verführte Jugendliche. Allerdings sei es auch schwierig etwas für sie zu tun, obwohl sie Anspruch auf konsularische Hilfe haben. Das aber ist in einem Kriegsgebiet schwierig. Die Bundesregierung hat die irakischen Behörden darum gebeten jede einen deutschen Staatsangehörigen betreffende Information sofort zu übermitteln. In Syrien, wo derzeit um die IS-Hauptstadt Rakka gekämpft wird, wird es noch schwieriger werden. Aufgrund des Staatszerfalls fehlt es dort an einem Partner.

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