Ein US-Kampfjet nach Luftangriffen in Syrien, Archivbild | Bildquelle: AFP

Bombardements im Irak und Syrien Offenbar Angriffe auf IS-Chemiewaffenprogramm

Stand: 09.03.2016 22:03 Uhr

Haben US-Spezialeinheiten im Irak den mutmaßlichen Chef des IS-Chemiewaffenprogramms gefangen genommen? Nach Medienberichten soll er bereits mehrere Wochen verhört worden sein. Auf Basis seiner Aussagen seien Luftangriffe auf das Chemiewaffenprogramm koordiniert worden.

Die US-Luftwaffe hat in den vergangenen Wochen offenbar eine Reihe von Angriffen auf vermutete Standorte des Chemiewaffenprogramms der Terrororganisation "Islamischer Staat" geflogen. Dies berichten übereinstimmend US-Medien und Nachrichtenagenturen. Unter anderem wurden Labors und Ausrüstungen bombardiert, zudem seien noch Einsätze von Spezialeinheiten gegen mutmaßliche IS-Chemiewaffenexperten geplant, sagten Geheimdienstmitarbeiter gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Auslöser der intensiveren Angriffe ist angeblich die Gefangennahme von Sleiman Daud al Afari vor mehreren Wochen. Nach Angaben irakischer Nachrichtendienstler wurde der angebliche Chef des IS-Chemiewaffenprogramms nahe der nordirakischen Stadt Tal Afar von US-Spezialeinheiten gefangen genommen. Danach sei er wochenlang verhört worden.

Leiter des Chemiewaffenprogramms unter Saddam Hussein

Afari soll etwa 50 Jahre alt sein und bereits unter dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein für die Entwicklung chemischer und biologischer Waffen verantwortlich gewesen sein. Zuletzt war er angeblich Chef der vom IS geschaffenen Forschungs- und Entwicklungsgruppe für chemische Waffen.

Sollte Afari tatsächlich in den Händen der US-Armee sein, könnte er eine Reihe von Standorten und Mitgliedern des Programm verraten haben. Eine offizielle Bestätigung der USA für die Gefangennahme gibt es allerdings nicht. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte vergangenen Monat gesagt, sein Land beobachtete das Chemiewaffenprogramm nicht nur sehr genau, sondern würde auch etwas dagegen unternehmen.

Angeblich Senfgas in Syrien eingesetzt

Der IS betreibt angeblich intensive Versuche, chemische Waffen zu entwickeln. Bisher offenbar mit geringem Erfolg, da er diese Waffen vermutlich bereits eingesetzt hätte. US-Experten vermuten, dass es dem IS für eine Massenproduktion an Material und Ausrüstung fehlt. Die Organisation soll über kleine Mengen Senfgas verfügen, die sie unter anderem im August vergangenen Jahres in Syrien eingesetzt haben soll. Unklar ist aber, ob der IS das Giftgas selbst herstellte, erbeutete oder aus dem Ausland erhielt.

US-Präsident Barack Obama ordnete im Dezember verstärkte Einsätze von US-Spezialkräften im Irak an, um IS-Terroristen zu töten, gefangenzunehmen und Informationen zu erbeuten. Die Gefangennahme von Afari wäre ein Erfolg dieser Strategie.

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