IS Kämpfer in Syrien | Bildquelle: REUTERS

Sunnitische Kämpfer auf dem Vormarsch Die Geldgeber der IS-Terroristen

Stand: 22.08.2014 16:50 Uhr

Die IS-Milizen haben Zehntausende Kämpfer und moderne Waffen. Das nötige Geld kommt von reichen Golf-Arabern, die die Rebellen für den entbehrungsreichen Kampf für Gott bewundern. Und aus Plünderungen, Zöllen und Lösegeldern.

Von Marion von Haaren, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Vermutlich Ende kommender Woche werden die ersten deutschen Waffenlieferungen in den Irak geschickt. Zum ersten Mal hat sich die Bundesregierung entschieden, nicht einen Staat, sondern eine Bürgerkriegspartei in einem Konfliktgebiet militärisch zu unterstützen.

Doch auf welche militärische Stärke treffen unsere Waffen, wer sind die Geldgeber der Gegenseite, welche Potenziale haben sie und was können unsere Waffen bewirken?

Waffen aus alten US-Beständen, bezahlt von Golf-Arabern

Die IS-Terroristen versorgen sich aus US-Militärbeständen, die die Amerikaner bei ihrem Abzug im Irak beließen. Sie kaufen auf dem Graumarkt weitere Waffen und Munition durch Gelder, die sie vor allem von reichen Golf-Arabern beziehen. In den sunnitischen Ländern gibt es etliche religiöse Stiftungen. Über diese Stiftungen fließen die Mittel direkt an die IS-Rebellen. Es gibt Reiche Golf-Araber - vor allem aus Saudi-Arabien, in geringerem Umfang auch aus Katar und Kuwait - die die Dschihad-Kämpfer bewundern.

Sie träumen vom einfachen Leben in der Wüste zu Zeiten des Propheten. Für sie sind die IS-Rebellen der verkörperte Traum vom entbehrungsreichen Leben im Kampf für Gott – vergleichbar mit dem westlich idealisierten Bild des Robin Hood. Sie haben einen Hass auf die Schiiten, wie Nahost-Experte Michel Lüders berichtet. Für sie seien Schiiten Hunde, Unmenschen, Teufelsgestalten. Alles, was den Schiiten schade, werde von fanatischen Golf-Arabern sunnitischen Glaubens unterstützt.

Von den Regierungen der betroffenen sunnitischen Staaten gibt es wohl keine direkten Unterstützungen.

Plünderungen, Zölle und Lösegelder

Die IS-Rebellen beziehen ihre Mittel aber auch aus laufenden Einnahmen: Auf ihrem Vormarsch plündern sie Banken, sie erheben Steuern in den besetzten Gebieten und treiben Zölle ein - etwa an zwei Grenzstationen zur Türkei. Sie entführen westliche Journalisten und erpressen Gelder durch Geiselnahmen.

Entgegen bisheriger Schätzungen liegt die Mann-Stärke der IS-Rebellen jetzt bei 30.000 bis 50.000 Kämpfern. Sie haben gerade die Wehrpflicht für alle sunnitischen Männer eingeführt, was ihre Stärke auf Dauer noch erhöhen wird.

Doppeltes Spiel beim türkischen Geheimdienst

Der NATO-Partner Türkei spielt eine besondere Rolle gegenüber den IS-Terroristen. ARD-Korrespondenten berichten, dass deren Kämpfer ungehindert die gemeinsame Grenze zum Irak passierten. Die Türkei machte sich in den vergangenen Jahren auch deren Kampfkraft und Skrupellosigkeit zunutze - im Kampf gegen die Kurden der PKK. Vor allem der türkische Geheimdienst und deren Chef spiele ein doppeltes Spiel.

Assad schwenkt um

Besonders paradox ist die Lage der IS-Rebellen in Syrien. Dessen Machthaber Assad hat die IS-Rebellen lange nicht bekämpft. Er ahnte, dass diese Hydra dem Westen auf Dauer mehr Probleme bereiten würde, als die Koalition zwischen Assad und den Mullahs im Iran. Nun schwenkt Assad um. Vielleicht merkt er, dass die IS-Terroristen auch sein Regime in Gefahr bringen. Vielleicht ahnt er aber auch, dass die Amerikaner nicht mehr ihn, sondern die IS als Hauptfeind im Nahen Osten ausmachen.

Der Nahost-Experte Lüders spricht von Ironie des Schicksals: "Womöglich bombardieren bald syrische und amerikanische Jagdflugzeuge gemeinsam die IS-Terroristen in deren syrischer Hauptstadt Rakka." Er steht der deutschen Waffenhilfe im Irak mit größter Skepsis gegenüber: "Der Genozid wird jetzt schon nicht mehr stattfinden", sagt Lüders. "Aber was soll das militärische Ziel der deutschen Waffenlieferungen sein?"

Rüstungsexperte: "Kein Mehr an Sicherheit"

Und der Rüstungsexperte Andreas Zumach schätzt: "Unsere Waffen werden dazu beitragen, dass wir in einen langen Abnutzungskrieg hineingezogen werden, wo wir bald nicht mehr wissen, in wessen Namen diese Waffen eingesetzt werden." Die Flüchtlinge würden jedenfalls kein Mehr an Sicherheit bekommen und vermutlich auch nicht in ihre Heimatgebiete zurückkehren können.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. August 2014 um 17:15 Uhr.

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