Recherchen von NDR, WDR und "SZ" Deutsche an IS-Folter beteiligt?

Stand: 15.04.2015 18:07 Uhr

Auch Deutsche haben sich der Terrormiliz IS angeschlossen. Der Generalbundesanwalt prüft nun, ob deutsche Dschihadisten auch an der Folter von IS-Geiseln beteiligt sind. Hintergrund ist die Aussage eines Ex-Häftlings.

Von Georg Mascolo und Kersten Mügge

Der Generalbundesanwalt geht dem Verdacht nach, dass deutsche Dschihadisten an der Folterung von Geiseln des Terrornetzwerks "Islamischer Staat" beteiligt sind. Hintergrund sind nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" entsprechende Aussagen eines Mannes, der in Gefängnissen des IS einsaß.

Scheinerschießungen und Waterboarding

Dschihad-Kämpfer im Irak | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
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Dschihad-Kämpfer im Irak. Laut den Recherchen könnten auch Deutsche an Folterungen beteiligt gewesen sein.

In den Gefängnissen des IS - so berichten ehemalige Insassen - kommt es regelmäßig zu brutalen Folter-Aktionen, wie Scheinerschießungen und das sogenannte Waterboarding. Nach den Recherchen von NDR, WDR und "SZ" sagte der 27-Jährige bei der Bundesanwaltschaft aus, dass Deutsche in Gefängnissen des IS tätig sind, in denen auch westliche Geiseln enthauptet wurden. Sie sollen dort sowohl Aufgaben als Wächter als auch als Folterer übernehmen.

Aufgrund der Aussage konnte die Bundesanwaltschaft einen der bekanntesten deutschen Islamisten identifizieren: So soll der aus dem nordrhein-westfälischen Dinslaken stammende Philip B. im Namen des IS gefoltert haben. Inzwischen soll er bei einem Selbstmordanschlag im Nordirak gestorben sein. Aufgrund laufender Ermittlungen wollte sich die Bundesanwaltschaft dazu nicht äußern.

Henker "Jihadi John" kennengelernt

Außerdem lernte der 27-Jährige Ex-Häftling den Informationen über seine Aussage zufolge die US-Geiseln James Foley und Steven Sotloff kennen. Beide wurden später hingerichtet. Auch habe er eine Erschießung beobachten müssen. Darüber hinaus will der deutsche IS-Gefangene dem berüchtigten Henker "Jihadi John" begegnet sein, den britische Behörden inzwischen als einen in Kuwait geborenen Informatiker identifiziert haben wollen.

Mehr als ein Jahr in unterschiedlichen IS-Gefängnissen

Bei seiner Vernehmung soll der junge Deutsche detaillierte Angaben gemacht haben. Die Terrorismus-Experten der Generalbundesanwaltschaft bescheinigten ihm ein außerordentlich gutes Gedächtnis. Wie es heißt, saß der 27-Jährige mehr als ein Jahr in IS-Gefängnissen, unter anderem im syrischen Aleppo. Im Juni vergangenen Jahres kam er unter ungeklärten Umständen frei.

Recherchekooperation

Die investigativen Ressorts von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" kooperieren unter Leitung von Georg Mascolo themen- und projektbezogen. Die Rechercheergebnisse, auch zu komplexen internationalen Themen, werden für Fernsehen, Hörfunk, Online und Print aufbereitet.

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