Familien von IS-Kämpfern im Irak | Bildquelle: REUTERS

Irak Hunderte IS-Familien in Lager festgehalten

Stand: 11.09.2017 08:39 Uhr

Ihre Männer kämpften für den IS und sind nun weg - doch ihre Familien sind noch da - unfreiwillig. Im Irak werden rund 1400 Frauen und Kinder in einem Lager festgehalten. Sie kommen aus Russland, der Türkei oder Japan und sollen nun dorthin zurück.

Das irakische Militär hat nach der Eroberung der IS-Hochburg Tal Afar auch die Familien von ausländischen Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Gewahrsam genommen. Die 1333 Frauen und Kinder stammten aus 14 Ländern und seien in Lagern nahe der Stadt Mossul untergebracht worden, sagte ein Mitarbeiter des irakischen Geheimdienstes der Nachrichtenagentur Reuters. Ihnen werden demnach keine Verbrechen vorgeworfen, sie sollen vermutlich in ihre Heimatländer überstellt werden.

Faktisch Gefangene

Den Angaben zufolge stammten die meisten von ihnen aus Zentralasien, Russland und der Türkei, einige kamen aber auch aus Ländern wie Japan und Südkorea. Reuters-Reporter sahen Hunderte Frauen und Kinder in dem Lager auf Matratzen in Zelten sitzen. Dort wurde unter anderem türkisch, französisch und russisch gesprochen.

Die Familien dürfen derzeit das Lager nicht verlassen. Der Norwegische Flüchtlingsrat, eine humanitäre Hilfsorganisation, forderte, der Irak müsse nun schnell klarmachen, was er mit den Frauen und Kindern vorhabe. Gegenwärtig seien sie dort faktisch Gefangene. Sie hätten aber Anspruch auf Schutz, Hilfe und Information.

"Wir waren glücklich"

Zehntausende Menschen aus aller Welt waren in den vergangenen Jahren nach Syrien und in den Irak gereist, um im selbst ausgerufenen Kalifat des IS zu leben. Die Extremisten verloren aber durch Militäroffensiven in beiden Staaten in den vergangenen Monaten viel von ihrem Territorium. "Wir konnten unsere Religion in Aserbaidschan nicht praktizieren", sagte eine der Frauen, die ursprünglich aus der russischen Teilrepublik Dagestan stammt. "Uns wurde gesagt, dass sie im Irak den Islam umgesetzt hätten und wir kamen hierher und es war wahr. Wir lebten unsere Leben als Muslime und wir waren glücklich, bis die Kriegsflugzeuge kamen und alles zerstörten", sagte sie. Die Frauen erklärten, sie wüssten nichts über das Schicksal ihrer Männer, die sich kurdischen Kämpfern ergeben hatten.

IS-Hochburg im August befreit

Irakische Streitkräfte nahe Tal Afar | Bildquelle: AFP
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Irakische Streitkräfte nahe Tal Afar

Kurden-Kommandeur Kamel Harki sagte, einige von ihnen seien den irakischen Behörden übergeben worden, andere seien getötet worden, weil sie ihre Kapitulation nur vorgetäuscht und dann angegriffen hätten. Kurdische Peshmerga und die irakische Armee hatten Tal Afar Ende August vom IS zurückerobert. Geflohene Bewohner hatten von Gräueltaten und Hunger unter dem brutalen Joch des IS berichtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2017 um 10:00 Uhr.

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