"Irma" hat in der Karibik schwere Verwüstungen hinterlassen. | Bildquelle: AFP

Tote durch "Irma" "Es ist nur ein Haufen Schutt übrig"

Stand: 07.09.2017 12:57 Uhr

Hurrikan "Irma" hat in der Karibik schwerste Verwüstungen angerichtet: Die Insel Barbuda sei nur noch ein "Haufen Schutt", melden Bewohner, und auch auf Saint-Martin stehen die Menschen unter Schock angesichts der Zerstörungen. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mindestens zehn.

Durch den Hurrikan "Irma" sind auf den karibischen Inseln mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Allein in den französischen Überseegebieten Saint-Barthélemy und Saint-Martin starben nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb mindestens acht Menschen.

"Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört", sagte der Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, im Radiosender RCI. Es gebe kein Trinkwasser und keine Stromversorgung mehr.

Hurrikan "Irma" wütet in der Karibik
tagesschau 17:00 Uhr, 07.09.2017, Thomas Aders, SWR

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Auch auf Saint-Barthélemy, das bei Urlaubern auch als Luxusinsel St. Barth bekannt ist, gab es schwere Schäden. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte finanzielle Hilfe an.

Barbuda praktisch unbewohnbar

Auf der Insel Barbuda kam ein Baby ums Leben. Das bestätigte der Regierungschef von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, dem Sender ABS. Die Insel mit ihren rund 1600 Einwohnern sei "nur noch ein Haufen Schutt", praktisch unbewohnbar.

"Es ist herzzerreißend. Die ganze Insel steht unter Wasser", sagte Browne. Der Wiederaufbau werde Jahre dauern. Die Kosten schätzte Browne auf rund 150 Millionen Dollar. Barbuda war von dem Hurrikan der höchsten Kategorie fünf direkt getroffen worden.

Auf Barbados gab es ebenfalls mindestens einen Toten: Ein Jugendlicher starb, als er während des Wirbelsturms surfte. Nach Angaben der Welt-Surfliga wurde er auf ein Riff geschleudert.

Häuser in Florida | Bildquelle: AFP
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In Florida verrammeln viele Menschen in Küstennähe ihre Häuser

Zwangsevakuierungen in Miami

"Irma" ist einer der schwersten jemals in der Karibik registrierten Tropenstürme. "Irma" sei schon seit mehr als 33 Stunden als Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 eingestuft, erklärte der französische Wetterdienst Météo France. "Eine solche Intensität über eine solch lange Dauer hat es weltweit seit Beginn der Satellitenära noch nicht gegeben." Laut Wetterexperten soll er nun in Richtung Dominikanische Republik und Haiti weiterziehen. Am Wochenende droht "Irma" auch den US-Bundesstaat Florida zu treffen.

Bereits jetzt wurden deshalb in Teilen der Metropole Miami Zwangsevakuierungen angeordnet. Zu den betroffenen Gebieten gehört auch der bei Touristen beliebte Stadtteil Miami Beach. Der Bürgermeister des Bezirks Miami-Dade ordnete an, dass Bewohner von Wohnmobilen sowie Anwohner einer von Überschwemmungen bedrohten Zone ihre Häuser verlassen. Einwohner, die sich nicht in Sicherheit bringen sollen, wurden trotzdem angewiesen, ihre Häuser zu sichern oder sichere Unterkünfte aufzusuchen.

Vom Tropensturm zum Hurrikan

Tropische Wirbelstürme entstehen über dem Meer, wenn das Wasser mindestens 26 Grad warm ist und stark verdunstet. Ihre Stärke wird nach der von den Meteorologen Herbert Saffir und Robert Simpson entwickelten Skala eingeteilt. Demnach ist in den USA bei einer maximalen Windgeschwindigkeit unter 63 Kilometern pro Stunde von einem Tropentief die Rede. Bei Tempo 63 bis 118 gilt es als Tropensturm, darüber wird Hurrikanstärke erreicht. Ein Hurrikan der Kategorie 1 reicht bis Tempo 153. Stufe 2 gilt bis 177, Stufe 3 bis 208 und Stufe 4 bis 251 Kilometer pro Stunde. Hurrikans der höchsten Kategorie 5 haben eine Windgeschwindigkeit von mehr als 252 Kilometern pro Stunde.

Hurrikane erzeugen zwar enorme Windgeschwindigkeiten, bewegen sich aber oft nur mit etwa 15 Kilometern in der Stunde vorwärts. Das ist verheerend, weil Niederschläge dann stunden- oder tagelang auf fast dasselbe Gebiet niederprasseln.

Oft nehmen Wirbelstürme bei ihrem Zug über das Meer an Stärke zu. Über Land verlieren sie schnell an Kraft, da der Nachschub feuchtwarmer Luftmassen fehlt. Bei Windgeschwindigkeiten unter 120 Kilometern pro Stunde wird ein Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft.

Die neue Normalität

"Irma" sei erst der Beginn einer "dramatischen Entwicklung", erklärte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Joachim Schellnhuber. "Ich kann Ihnen versichern, dass die Wissenschaft genügend Belege dafür hat, dass es mit dem Klimawandel zu tun hat, dass die Stürme stärker werden." Weiterhin warnte er: "Wenn wir das Pariser Abkommen nicht umsetzen, werden Ereignisse dieser Art die neue Normalität werden."

Während "Irma" noch über die Karibik hinwegzieht, haben sich bereits zwei weitere Wirbelstürme gebildet. Das US-Hurrikanzentrum stufte sowohl den Sturm "Katia" als auch den Sturm "José" als Hurrikan ein.

Vor allem "Katia" im Golf von Mexiko bereitet den Experten Sorgen: Er erreiche Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde und soll sich im Laufe des Tages auf das Festland zubewegen.

Georg Dörken, Welthungerhilfe: Großer Hilfsbedarf für Haiti durch Hurrikan "Irma"
tagesschau24 18:00 Uhr, 07.09.2017

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 06. September 2017 um 00:05 Uhr.

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