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19.03.2010

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Irland: Bericht über Kindesmissbrauch veröffentlicht
Bericht über jahrzehntelangen Missbrauch veröffentlicht

Erschütterndes aus Irlands "Häusern des Horrors"

Albtraum ohne Ausweg: Tausende irische Kinder wurden im vergangenen Jahrhundert in Heimen missbraucht - seelisch, körperlich und auch sexuell. Jetzt hat die Regierung einen Untersuchungsbericht vorgelegt. Aber viele Opfer sind mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio London

Das irische Missbrauchsopfer John Kelly liest in dem Untersuchungsbericht. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das irische Missbrauchsopfer John Kelly liest in dem Untersuchungsbericht ... ]
Zehn Jahre ist diese Entschuldigung bereits her: 1999 bat der damalige irische Regierungschef  Bertie Ahern die Opfer von Kindesmissbrauch in meist katholischen Schulen und Heimen stellvertretend um Vergebung. Die Regierung leitete damals eine umfassende staatliche Untersuchung ein - deren Bericht jetzt vorliegt.

Es ist ein erschütternder Bericht über den seelischen, körperlichen und sexuellen Missbrauch von Kindern in Irland, vor allem in den 1940er bis 1980er Jahren. Erstmals ans Licht gekommen waren die Fälle systematischen Missbrauchs durch Isolation, Schläge und Vergewaltigungen vor gut zehn Jahren durch zwei Fernseh-Dokumentationen über die so genannten "Häuser des Horrors".

"Das Schlimmste war der Verluste der Freiheit"

Patrick Walsh war zwei Jahre alt, als er in eine katholische Erziehungsanstalt kam, 14 Jahre lang war er dort: "Der Missbrauch war emotional, psychologisch und, vor allem im fortgeschrittenen Kindesalter, sexuell. Wenn ich gefragt werde, was das schlimmste an allem war, denke ich immer wieder darüber nach und sage heute: der Verlust der Freiheit."

Die inneren Verletzungen fühle er nach wie vor, sagt Walsh: "Als Erwachsener hat mich das in allen menschlichen Beziehungen sehr scheu und vorsichtig gemacht, supervorsichtig, übervorsichtig, oder wie immer man das nennen will."

Anklagen vor allem gegen die Kirche

Irischer Untersuchungsbericht zu Kindesmissbrauch  (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ... und stellt sich den Fragen von Journalisten. ]
Die meisten Missbrauchsopfer waren als Waisen oder Sozialfälle per Gerichtsbeschluss in die Heime eingewiesen worden. 2500 Opfer haben vor der Kommission ausgesagt. Ihre Anklage richtet sich zum einen gegen die katholische Kirche, die den Missbrauch lange vertuscht und die Täter gedeckt hat, etwa, in dem diese schlicht in andere Heime versetzt wurden.

Zum anderen richtet sich der Unmut der Opfer gegen den irischen Staat, der seine Aufsichtspflicht verletzt und die Aufklärung nur zögernd vorangetrieben hat. Die erste Vorsitzende der Untersuchungskommission war vor Jahren wegen mangelnder Unterstützung zurückgetreten.

Opfer kritisieren Bericht

Auch über den Abschlussbericht sind die Opferverbände empört: "Die Ergebnisse greifen viel zu kurz", sagt John Kelly, Sprecher einer der Gruppen, "etwa was die Verantwortung irischer Gerichte angeht, die uns in die Heime eingewiesen und die Täter unzureichend verfolgt haben. Sie werden geradezu reingewaschen." Kritisiert wird etwa auch, dass im Bericht nur solche Täter namentlich genannt werden, die bereits gerichtlich verurteilt sind.

Dieses besonders dunkle Kapitel der irischen Geschichte ist auch mit dem jetzt vorgelegten Bericht längst nicht abgeschlossen.

Stand: 20.05.2009 18:16 Uhr
 

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