Enda Kenny | Bildquelle: AFP

Prognosen nach Wahl in Irland Kennys Koalition vor dem Aus

Stand: 27.02.2016 13:19 Uhr

Das irische Regierungsbündnis hat bei der Parlamentswahl Prognosen zufolge massive Verluste erlitten. Eine Fortsetzung der Koalition von Ministerpräsident Kennys konservativer Fine Gael und der Labour-Partei ist danach nicht möglich.

Dem irischen Ministerpräsidenten Enda Kenny und seiner schwarz-roten Koalition ist es zwar gelungen, das Land seit 2011 aus der Krise zu führen. Mit sieben Prozent Ende 2015 ist das Wirtschaftswachstum derzeit das stärkste in Europa, die Arbeitslosigkeit schrumpfte von 14 auf 8,8 Prozent. Aber: Die Parlamentswahl hat das Regierungsbündnis wohl verloren.

Nach ersten Prognosen zeichnet sich ab, dass die Koalition aus der Mitte-rechts-Partei Fine Gael und der linksgerichteten Labour-Partei deutliche Verluste hinnehmen und die Regierungsmehrheit verloren geben muss. Einer Nachwahlbefragung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders RTE kommt das Bündnis nur noch auf rund 55 Sitze im Parlament und damit auf deutlich weniger als die erforderlichen 80 Sitze.

"Aber das wollte niemand hören"

Laut RTE kommt die Fine Gael nur noch auf einen Stimmenanteil von 24,8 Prozent. Bei der Wahl im Jahr 2011 erreichte sie noch 36,1 Prozent. Labour stürzte von 19,5 Prozent im Jahr 2011 auf 7,1 Prozent ab. In einer bereits am Freitag veröffentlichten Prognose der Zeitung "Irish Times" liegen die Ergebnisse nur unwesentlich höher: Demnach erreicht Kennys Fine Gael 26,1 Prozent, Labour 7,8 Prozent.

Entsprechend deprimiert ist Labour-Politiker Derrick McDowell: "Wir wollten mit unserem Wahlmanifest eine Vision für die nächsten fünf Jahre verkaufen – aber das wollte niemand hören. Die Leute sind immer noch wütend über das, was in den vergangenen sieben, acht Jahren passiert ist. Und mit dieser Wut haben sie gewählt."

Auf Fine Gael folgt laut der "Irish Times" die konservative Fianna Fail, die Irland jahrelang regierte, mit 22,9 Prozent. Auf Platz drei landete demnach die nationalistische Sinn Fein mit 14,9 Prozent. RTE sieht die Fianna Fail bei 21,8 Prozent und die Sinn Fein bei 16 Prozent.

Wahl-Prognose: Bisherige Koalition erleidet deutliche Verluste
S. Pieper, ARD London
27.02.2016 10:05 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Neue Koalition oder Neuwahlen?

Sollten sich die Prognosen in den tatsächlichen Ergebnissen widerspiegeln, wären drei Szenarien möglich: Die bisherige Koalition könnte mit der Unterstützung unabhängiger Kandidaten oder kleinerer Parteien weiterregieren. Die historischen Rivalen Fine Gael und Fianna Fail schließen sich zu einem Bündnis zusammen - es wäre ihr erstes. Dies hatten aber sowohl Kenny als auch Fianna-Fail-Chef Micheal Martin im Vorfeld ausgeschlossen.

Beobachter würden auch über eine Fine-Gael-Minderheitsregierung spekulieren, gefolgt von baldigen Neuwahlen, berichtet ARD-Korrespondentin Stephanie Pieper.

Endergebnis wohl erst am Sonntag

Die Wahl endete bereits am Freitagabend, doch die Auszählung der Stimmen begann erst am Samstag. Es sollte sichergestellt werden, dass auch die Stimmzettel von entlegenen Atlantik-Inseln mit ausgezählt werden können. Das Endergebnis der Parlamentswahl soll erst am Sonntag vorliegen.

Darstellung: