Wahllokal in Irland | Bildquelle: AFP

Nach Parlamentswahl Irland vor schwieriger Regierungsbildung

Stand: 26.02.2016 21:01 Uhr

Ein neues Parlament für Irland: Gut 3,2 Millionen Wahlberechtigte konnten dafür ihre Stimmen abgeben. Umfragen zufolge wird die Mitte-Links Koalition ihre Mehrheit verlieren. Die Bildung einer neuen Regierung könnte schwierig werden.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London, zurzeit in Dublin

Für Madeleine und Ryan war es eine Premiere: Die beiden durften zum ersten Mal wählen, sie ist 19, er 18 Jahre jung. Beide haben ihre erste Stimme Chris Andrews gegeben, dem Sinn-Fein-Kandidaten in ihrem Dubliner Wahlkreis, dessen Konterfei auch ein Plakat in der Nähe des Wahllokals ziert. Der Mann von Sinn Fein sei für die Leute da, findet Madeleine, und das nicht nur vor der Wahl.

Gerry Adams von Sinn Fein im Wahlkampf | Bildquelle: AFP
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Beliebt bei jungen Wählern: Gerry Adams von Sinn Fein.

Sie ist zu jung, um die Partei noch mit der Terrorgruppe IRA und den Unruhen in Nordirland in Verbindung zu bringen. Und Sinn Fein hat im Wahlkampf genau darauf gesetzt: sich als linke Protestpartei a la Syriza zu geben - und vor allem junge Wähler zu mobilisieren. Funktioniert hat das auch bei Ryan, der mit den großen Parteien unzufrieden ist. Ganz gleich, ob nun die eine der beiden konservativen Volksparteien oder Labour an der Macht sei: Die herben Einschnitte, die Irland in der Euro-Krise gemacht habe und die bei vielen nachwirkten, findet Ryan nicht fair. Sinn Fein könnte drittstärkste Kraft werden und wäre damit einer der Gewinner dieser Abstimmung.

Gute wirtschaftliche Aussichten

Keinerlei Verständnis für eine Protestwahl hat dagegen John; der 36-Jährige wünscht sich ein weiter stabiles Bündnis aus Fine Gael und Labour. Die Konjunktur boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt, und in der Krise ausgewanderte junge Leute kehren auf die Insel zurück: Dies schreiben Wähler wie John vor allem dem konservativen Premierminister Enda Kenny zu. Der möchte gern weiterregieren mit Labour, doch das geben zumindest die Umfragen vor dem Urnengang nicht her.

Irlands Premier Enda Kenny | Bildquelle: AFP
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Premier Enda Kenny (Mitte) warnt vor einem Linksruck.

Auch weil sich die Iren in Scharen enttäuscht vom bisherigen Juniorpartner der Koalition abwenden - so wie Autoverkäufer Steven. Er habe auf dem Wahlzettel diesmal einen unabhängigen Kandidaten auf Platz Eins gesetzt, berichtet er.

Eine ganz neue Koalition?

Gerade im linken Spektrum buhlen gleich eine ganze Reihe kleiner Parteien und Unabhängiger um die Gunst der Wähler. Auch deshalb drohen Irland nach dieser Wahl unklare politische Verhältnisse: Die Bildung einer neuen Regierung in Dublin könnte sich also schwierig gestalten; und politische Beobachter spekulieren bereits, dass die beiden großen Volksparteien - Fine Gael und die jahrzehntelang herrschende Fianna Fail - koalieren könnten.

Auch wenn dies eine irische Premiere wäre, würden viele Iren ein solches Bündnis nicht ausschließen. Andere munkeln, Fine Gael könnte sich als Minderheitsregierung tolerieren lassen - entweder von Fianna Fail oder vom Block der Unabhängigen. Mit Sinn Fein dagegen will - von den Großen - niemand zusammengehen. Gibt es beim Ergebnis tatsächlich ein politisches Patt, werden die Iren in diesem Jahr womöglich ein zweites Mal an die Urnen gerufen. Erste Prognosen werden am Morgen erwartet - und auch die Auszählung der Stimmen beginnt erst um 9 Uhr.

Irland nach der Wahl und vor der Auszählung
nachtmagazin 0:55 Uhr, 27.02.2016, Hanni Hüsch, ARD London

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