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Mit dem Versprechen, die Armut zu lindern, konnte Irans Präsident Ahmadinedschad 2005 vor allem in sozial schwachen Vierteln viele Wähler überzeugen. Doch nach seiner ersten Amtszeit sind in diesen Gegenden viele enttäuscht und verärgert.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Teheran
Islamshar, ein Arbeiterviertel im sozial schwachen Süden Teherans. Hier konnte Mahmud Ahmadinedschad bei seinem überraschenden Wahlsieg 2005 große Zustimmung verbuchen, denn man vertraute seinem Versprechen, die Armut zu lindern.
[Bildunterschrift: Straße in Islamshar. Viele Menschen in dem Viertel fühlen sich von der Politik vernachlässigt. ]
Heute ist die Atmosphäre in Islamshar ganz anders. Enttäuschung hat sich breit gemacht und vor allem Ärger: "Hier leben ausschließlich Arbeiter, und sie haben so viele Märtyrer und Kriegsinvaliden zu beklagen. Aber für Islamshar haben die Abgeordneten und dieser Präsident nichts getan", so ein Bewohner des Viertels. "Das Wasser wurde hier lange Zeit mit Tankwagen verteilt. Ich habe mich so oft an das Parlament, das Präsidentenbüro für Wasserversorgung und viele andere gewandt. Ich war sogar im Büro des Führers bei Ajatollah Chamenei. Aber für Islamshar haben sie nichts getan."
Auch wenn die Arbeitslosenrate offiziell bei zwölf Prozent liegt - hinter vorgehaltener Hand wird eine Ziffer von knapp 30 Prozent genannt und Islamshar ist nach wie vor besonders betroffen. Ärger findet man mittlerweile sogar im Basar. Dabei konnten die Basaris mit den islamistischen Machthabern bislang immer am besten. "Die Preise sind hoch, wahnsinnig hoch", erzählt ein Teppichhändler im großen Basar von Teheran. Im vergangenen halben Jahr seien sie um 50 Prozent gestiegen. "Es wird kaum noch etwas exportiert. Alle Teppichhändler sind von dieser Entwicklung überrascht. Die Preise der Teppiche sind halt wie die anderer Güter, wie Brot, Käse und alles, was die Menschen hier verbrauchen, enorm gestiegen."
Die desolate wirtschaftliche Situation im Land sowie die damit einhergehende Unzufriedenheit der Bevölkerung ist auch das Hauptthema im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen. Die entscheidende Frage ist, ob es Ahmadinedschad gelingen wird, seine Position zu verteidigen.
Als sein stärkster Herausvorderer wird Mir Hussein Mussawi gehandelt, der den Präsidenten hart attackiert. "Wir sollten uns nicht einbilden, dass, wenn wir mit unüberlegten Aussagen gegenüber der Weltgemeinschaft Spannungen herbeirufen, der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit verliehen wird. Angst und Unsicherheit nagen an den Menschen unseres Volkes. Und deren Unzufriedenheit liegt grade in den Folgen solcher Taten. Das Volk sehnt sich nach einer stabilen Politik und einer zuverlässigen Staatsführung."
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Mussawi, der von Ex-Präsident Mohammed Chatami unterstützt wird, ist 67 Jahre alt und in der iranischen Politik kein Unbekannter. In der 80er-Jahren nämlich war er bereits Ministerpräsident. Seitdem steht er im Ruf eines Krisenmanagers. Denn während des damaligen Krieges gegen den Irak gelang es ihm, die schwierige Versorgungslage im international geächteten Iran mit einem strengen Rationalisierungsprogramm gut zu meistern. Entsprechend traut man ihm auch jetzt im Kampf gegen die wirtschaftliche Krise im Land viel zu.
[Bildunterschrift: Gemüsehändler in Islamshar. Die Preise auf dem Markt sind in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. ]
Auch wenn Mussawi kein Reformer ist, setzt vor allem die enttäuschte Jugend auf ihn. "Das teuerste und wichtigste Kapital dieses Landes ist nicht das Öl, es ist die Jugend dieses Landes und unser größtes Problem ist die Arbeitslosigkeit", meint eine Studentin. "Die Arbeitslosigkeit grassiert in diesem Land. Sie sollen sich auch ein wenig um uns kümmern. Wir wollen nichts mehr als eine angemessene Arbeit."
Glaubt man Meinungsumfragen, so sollen Mussawi und Ahmadinedschad zurzeit gleichauf liegen, so dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem zweiten Wahlgang kommen dürfte.
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