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Video zeigt Erschießung einer Frau

Wut über den Tod des "Engels des Iran"

Ihr Tod hat sie zu einer Ikone gemacht. Seit Neda Agha Soltani am Samstag bei einer Demonstration in Teheran gegen die Wahlfälschung erschossen wurde, kursiert nicht nur ein Video, das ihre letzten Minuten zeigt, im Internet. Auch die iranischen und englischsprachigen Blogs sind voll von Texten zum Tod der Studentin.

Viele Internetnutzer zeigen ihre Empörung auf eine symbolische Weise – sie übernehmen in der Onlinewelt den Namen der Toten oder nennen sich in Netzwerken wie Facebook gleich wie die junge Frau. Die Botschaft: Jeder von uns könnte Neda sein, jeder könnte von einer blind oder gezielt in die Menge gefeuerten Kugel getroffen werden. Und tausende Mitglieder sind Gruppen beigetreten, die Nedas Namen tragen.

Golineh Atai zum Medienkrieg im Iran
ARD-Morgenmagazin, 23.06.2009

Unter welchen Umständen die Frau auf dem Video tatsächlich ums Leben kam, kann freilich nicht überprüft werden - ebensowenig wie die Angaben zu ihrer Person. Dies hat der Verbreitung des Videos im Netz aber keinen Abbruch getan.

"Die wahren Führer"

Auch der Präsidentschaftskandidat Hussein Mussawi äußert sich im Internet zur Ermordung der jungen Teheranerin. Auf seiner Internetseite schreibt er, der Tod Nedas und anderer Demonstranten habe ihn in tiefe Trauer gestürzt. Die Toten seien die wahren Führer der Protestbewegung, schreibt Mussawi weiter. Er beziffert ihre Zahl höher als die offiziellen staatlichen Medien: Allein am Samstag seien 19 Menschen ums Leben gekommen, schreibt der iranische Ex-Premier. Sein Online-Auftritt ist übrigens im Iran gesperrt - User müssen über andere Seiten gehen, um den Mussawi-Blog zu finden.

Blog des iranischen Präsidentschaftskandidaten Mussawi
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Nur auf Umwegen zu erreichen: der Mussawi-Blog

Gleichwohl gibt es auch Kritik an der Verbreitung des Videos vom Tod Agha Soltans. Ein User fragt, ob es ethisch vertretbar sei, Bilder einer sterbenden Frau in den Dienst einer Sache zu stellen und vergleicht dies mit dem Vorgehen der Hamas. Der Widerspruch im Blog: Die Protestbewegung habe nun einmal keine andere Möglichkeiten, weil sie es nicht mit einem Rechtsstaat zu tun habe.

Vielfältige Verdächtigungen

Die Protestbewegung traut dem Regierungslager vieles zu. Auch deshalb warnt Blogger "Der Wartende" in seinem Eintrag vor falschem Vertrauen. Nicht jeder, der mit einer Kamera unterwegs sei, gehöre zu den Mussawi-Anhängern. Im englischsprachigen Blog der "Iran Freedom Fighters" wird der Verdacht geäußert, die Polizei gehe nicht nur mit Tränengas gegen die Protestbewegung vor, sondern setze auch Chemikalien gegen Demonstranten ein.

Blog der Gruppe "Iran Freedom Fighters"
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Mit Chemiewaffen gegen Demonstranten? Ein Verdacht, der im Netz kursiert.

Und in mehreren Blogs sowie auf Twitter mutmaßen Mussawi-Anhänger, die Regierung setze Schläger aus anderen Ländern gegen sie ein, die kein Farsi verstünden. Möglicherweise handele es sich um Hisbollah-Mitglieder aus dem Libanon, die derzeit im Iran ausgebildet würden. Auch hier kann der Wahrheitsgehalt natürlich nicht überprüft werden.

Zwar blieb es am Montag in Teheran ruhiger – der Protest wird gerade nach der Erschießung der Frau weitergehen. Das zeigen auch die Einträge im Internet. Mussawi selbst empfiehlt auf seiner Seite, dass Autofahrer ihre Lichthupe als Zeichen des Widerstands benutzen.

Auch Regierungslager nutzt das Netz

Doch auch die Anhänger von Präsident Ahmadinedschad äußern sich im Netz. So unterstellt ein Filmschaffender Mussawi „Größenwahn“ und fragt, ob Mussawi sein letztes Hemd "aufgefressen" habe und sich zum "Erlöser" der Massen machen wolle.

Eine iranische Karikatur, die den Präsidentschaftskandidaten Mussawi als Hexe beim Blick in die Glaskugel zeigt: "Ich sehe 30 Millionen Stimmen"
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Ein dämonisches Wesen? Eine iranische Karikatur zeigt Mussawi als Hexe.

Ein anderer Blogger veröffentlicht eine Karikatur, die Mussawi als Hexe zeigt. Mit Halstuch sitzt sie auf einem Teppich, schaut in eine Glaskugel mit der Aufschrift "BBC" und sagt: "Ich sehe 30 Millionen Stimmen".

Redaktioneller Hinweis

Eine freie Berichterstattung über die Oppositionsdemonstrationen aus dem Iran ist zurzeit nicht möglich. Fotografen und Kamerateams ausländischer Medien dürfen beispielsweise keine Aufnahmen von den Protesten machen. Trotzdem gelangen dank diverser Internetplattformen wie Twitpic und YouTube Bilder nach draußen. Dadurch wächst aber auch die Gefahr, dass manipulierte Aufnahmen verbreitet werden. Nachrichtenagenturen, tagesschau.de und ARD-aktuell überprüfen die Bilder auf technischem und inhaltlichem Wege nach bestem Wissen und Gewissen, um keinen Manipulationen aufzusitzen.

Stand: 23.06.2009 11:21 Uhr

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