Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Nach dem Tod von Großajatollah Montaseri reißen die Proteste gegen die iranische Regierung nicht ab. In mehreren Städten kam es nach Angaben der Opposition zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Anhänger der Regierung griffen das Haus von Großajatollah Sanei an.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Zwei Tage nach der Beerdigung von Großajatollah Hussein Ali Montaseri, bei der mehrere Zehntausend Menschen dem verstorbenen Regimekritiker in der Heiligen Stadt Ghom die letzte Ehre erwiesen, soll es in mehreren iranischen Städten zu Zwischenfällen gekommen sein.
[Bildunterschrift: Hussein Ali Montaseri, der bekannteste regierungskritische Geistliche des Irans, starb im Alter von 87 Jahren. (Archivbild) ]
Nach Informationen oppositioneller Webseiten gab es sowohl in Isfahan als auch in Montaseris Heimatstadt Najafabad Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der sogenannten grünen Oppositionsbewegung. Hierbei soll es auch Verletzte gegeben haben, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte. 50 Menschen, so heißt es, sind festgenommen worden, unter ihnen auch vier Journalisten.
Eine unabhängige Bestätigung hierfür gibt es bislang noch nicht. Unterdessen hat der iranische Polizeichef laut Nachrichtenagentur "Fars" angekündigt, er werde Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi wegen illegaler Aktivitäten strikt verfolgen.
[Bildunterschrift: Schon bei der Trauerfeier für Großajatollah Montaseri kam es zu Ausschreitungen zwischen Anhängern von Präsident Ahmadinedschad und Oppositionellen. ]
Am gestrigen Abend hatten bereits Anhänger von Präsident Ahmadinedschad das Haus von Großajatollah Yossef Sanei angegriffen. Hierbei wurden die Scheiben seines Büros zerstört sowie einige seiner Mitarbeiter verletzt. Sanei hatte wiederholt Position gegen den erzkonservativen Staatspräsidenten bezogen und zusammen mit drei weiteren Großajatollahs - unter ihnen auch Montaseri - die umstrittenen Präsidentenwahlen im Juni kritisiert. Im Iran gibt es derzeit etwa zehn anerkannte Großajatollahs. Sie nehmen den höchsten Rang in der schiitischen Klerikerhierarchie ein.
Der 1937 in Isfahan geborene Sanei gilt als möglicher Nachfolger von Montaseri, der als der anerkannteste Theologe Irans galt. Montaseri war lange Jahre ein Verbündeter von Revolutionsführer Khomeini, wurde aber von diesem entmachtet, als er die Massen-Exekutionen des Regimes Ende der Achtziger Jahre kritisierte. Seit Ende der Neunziger Jahre zeigte sich Montaseri als einer der schärfsten Kritiker des Systems.
Die Ausschreitungen gegen Großajatollah Sanei unterstreichen die politische Entwicklung der letzten Monate, wonach die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad militarististische Züge annimmt und zu großen Teilen der Theologenschaft auf Distanz geht.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW