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Irans Präsident Ahmadinedschad ist für seine zweite Amtszeit vereidigt worden. Die Opposition wirft ihm Wahlbetrug vor und fordert Neuwahlen. Und selbst aus dem Lager der Konservativen mehren sich die kritischen Stimmen. Ulrich Pick zeigt in einem Porträt die Gründe.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Mahmud Ahmadinedschad, den vor vier Jahren außerhalb von Teheran noch niemand kannte, ist ein in der Wolle gefärbter Islamist. Denn sein großes Vorbild ist der geistige Vater der Islamischen Revolution, Ajatollah Ruhollah Khomeini.
Und deshalb betont der schmächtige Mann im Amt des iranischen Staatspräsidenten auch jederzeit die Wichtigkeit der Religion in der Politik. "Wir glauben, dass der Islam die vollendete Religion ist und die einzig rettende Religion. Ja, die einzige Rettung der Menschheit und die Freude der Welt." Die Zukunft der Menschheit sei gebunden an die Ausübung des Islam und die Befolgung seiner Regeln, so Ahmadinedschad.
Innenpolitisch hat sich Ahmadinedschad den Einsatz für die Armen im Land auf die Fahnen geschrieben. Schließlich stammt der Sohn eines Schmieds aus der nordöstlichen Provinz Garmsar selbst aus einfachen Verhältnissen, die ihn bis heute prägen. Entsprechend verzichtet er auf eine noble Dienstwohnung und zieht mit markigen Sprüchen über die Wohlhabenden her - auch wenn sie Mullahs sind: "In der Islamischen Republik brauchen wir keine oberen Zehntausend, die sich für was besseres halten, von feiner Herkunft, und die damit rumprotzen!"
Obgleich er den Schwachen im Land vor seiner ersten Wahl jede Menge Versprechungen machte, ging die soziale Schere weiter auseinander denn je. Jeder fünfte Iraner, so heißt es, soll unter der Armutsgrenze leben. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 30 Prozent.
[Bildunterschrift: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei seiner Rede zum "Nationalen Atomtag" ]
Das Lieblingsthema des Mannes in der Windjacke ist das iranische Atomprogramm, dessen Hauptproblem er darin sieht, dass die internationale Staatengemeinschaft darüber Aufklärung wünscht. "In den vergangenen Jahren hat die Weltarroganz immer wieder ihren Kampf gegen uns auf irgendeinen Punkt konzentriert. Es war mal der aufgezwungene Krieg, dann die Menschenrechte, dann die Frage der Demokratie und mal redeten sie von Freiheit." Heute sei es die Atomfrage. Und das sei alles nicht neu. "Jedes Mal, wenn wir eine große Errungenschaft melden, sind sie verärgert und versuchen uns unter Druck zu setzen."
Doch es ist nicht nur die Urananreicherung, mit der er auf Konfrontationskurs geht. Wenn er etwa den Holocaust leugnet, gegen den Staat Israel hetzt und die dort lebenden Juden am liebsten nach Europa umsiedeln will, dann scheint er förmlich den Konflikt zu suchen. Zudem ließ er zu, dass im Streit um die Mohammed-Karikaturen dänische und deutsche Fahnen verbrannt und Botschaften attackiert wurden. All das versucht er dann gegen Europa auszuspielen: "In euren Ländern hat man die Freiheit alle Propheten zu beleidigen, aber keine Freiheit, Forschung über die Sage vom Holocaust zu betreiben."
Auch wenn sich Ahmadinedschad religiös zeigt und die Nähe zum Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei sucht, gehen weite Teile der Mullahschaft zu ihm immer häufiger auf Distanz. Denn er gilt nicht als ein Mann des Geistes, sondern des Militärs. Schließlich hat er in früheren Jahren Karriere bei den Revolutionsgarden gemacht und diese unter seiner Präsidentschaft mit immer mehr Macht ausgestattet.
Seine Gegner sehen diese Tendenzen mit großer Sorge. Denn obgleich viele Iraner das Atomprogramm befürworten, halten sie Ahmadinedschads öffentliche Auftritte für unangemessen, ja peinlich. Beispielsweise, als er am Tag der Revolution im Februar sagte: "Es ist nun ausgeschlossen, dass jemand sich heute einbildet, er könne dem iranischen Volk drohen. Ich verkünde hier offiziell, dass das iranische Volk eine wahre Supermacht ist."
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