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18.03.2010

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Ausland
Iran
US-Geheimdienste: Iran baut keine Atombombe
Bericht aller 16 US-Geheimdienste zu Iran

"Atomwaffenprogramm ist eingestellt"

Überraschung in Washington: Von Iran und seinem Atomprogramm geht derzeit keine akute Gefahr aus: Es sei 2003 eingestellt worden und vor 2009, eher 2015, werde Teheran wohl nicht in der Lage sein, Atomwaffen zu bauen. Das ist das Fazit eines Berichts aller US-Geheimdienste. Das bringt Washington in ziemliche Erklärungsnot.

Von Simone Mir Haschemi, ARD-Hörfunkstudio Washington

Das nahezu fertig gestellte iranische Atomkraftwerk in Buschehr. (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das nahezu fertig gestellte Atomkraftwerk in Buschehr in Iran. ]
Mit markigen Worten hatte US-Präsident George W. Bush noch im Oktober gewarnt: Wer den dritten Weltkrieg verhindern wolle, der müsse Iran davon abhalten, eine Atombombe zu bauen. "Ja, ich glaube, sie wollen eine Atombombe bauen, und es ist im Interesse der Welt, sie daran zu hindern", sagte Bush damals.

Das ist noch keine sieben Wochen her - und schon sieht die Wirklichkeit ganz anders aus: Bereits 2003 soll Iran sein Programm zum Bau von Atomwaffen aufgegeben haben - das geht aus einem Bericht aller 16 US-Geheimdienste hervor. Ganz andere Töne also, als die der US-Regierung bisher.

Weißes Haus in der Defensive

Stephen Hadley, Sicherheitsberater im Weißen Haus, versuchte trotzdem, die Haltung des Präsidenten und die neuen Erkenntnisse unter einen Hut zu bekommen: "Der Präsident hat versucht, die Welt aufzurütteln, dass wir den Druck auf Iran erhöhen müssen, damit das Land sein Programm aufgibt, mit dem es Uran anreichern will. Und das ist immer noch so. Denn das Programm ist ein Weg zu waffenfähigem Material, das Iran ermöglichen würde, eine Atombombe zu bauen."

Zwar arbeitet Iran wohl weiterhin darin, Uran anzureichern für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Aber selbst, wenn er sein Atomwaffenprogramm wieder aufnehmen sollte: Laut dem Bericht wäre er nicht vor 2009, wahrscheinlich aber erst bis 2015 dazu in der Lage, mit dem Uran auch Atomwaffen herzustellen. In dem Bericht äußern die Geheimdienste die Hoffnung, dass Iran deutlich weniger hinter der Atombombe her ist als bisher vermutet.

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Kosten-Nutzen-Politik in Teheran

Stephen Hadley bei seiner Rede vor dem U.S. Institute of Peace in Washington (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Erklärungsnot: US-Sicherheitsberater Stephen Hadley. ]
Sicherheitsberater Hadley erklärt dazu: "Unsere Einschätzung ist, dass Iran das Programm 2003 vor allem wegen des internationalen Drucks gestoppt hat. Das deutet darauf hin, dass Iran eher nach einem Kosten-Nutzen-Prinzip vorgeht und nicht so schnell wie möglich die Atomwaffe haben will, ohne auf die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Folgen zu achten."

Dabei hatten die Geheimdienste noch vor zwei Jahren erklärt, Iran werde durch diplomatischen Druck nicht einknicken. Das steht in ihrem neuen Bericht ganz anders. Außerdem hatten sie damals verkündet, das Atomwaffenprogramm Irans sei in vollem Gang. Nun aber stellt sich heraus, dass das nicht stimmte.

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"Das Risiko bleibt"

Allerdings weiß man nicht, ob Teheran nicht jederzeit das Atomwaffenprogramm wieder aufnimmt: "Das Risiko bleibt, dass Iran eine Atombombe anstrebt. Der Bericht gibt aber Grund zur Hoffnung, dass das Problem diplomatisch gelöst werden kann, ohne Anwendung von Gewalt. So wie die Regierung es versucht. Und der Bericht zeigt, dass wir die richtige Strategie verfolgen", sagt Hadley.

Mit dem neuen Bericht muss sich die Regierung jetzt auch die Frage gefallen lassen: Wieso irren sich die Geheimdienste in so wichtigen Fragen? Schließlich hatten sie auch zu Unrecht Massenvernichtungswaffen im Irak vermutet. Bushs Sicherheitsberater Hadley geht in Verteidigungshaltung: Iran sei eines der Länder, die ihre Pläne am Besten geheim halten könnten.

Stand: 04.12.2007 04:36 Uhr
 

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