30. Jahrestag der Islamischen Revolution

Teil 4: 30. Jahrestag der Islamischen Revolution Selbstbewusst unter dem Tschador

Stand: 05.02.2009 01:13 Uhr

Trotz Kopftuchpflicht und erheblichen Nachteilen im Rechtssystem hat sich für Frauen im Iran seit der Islamischen Revolution viel getan: Die Zahl der Akademikerinnen ist stark gestiegen, und gegen Chauvinismus im Alltag schützen kleine grüne Taxis.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Zwei junge Iranerinnen beim Sonnenbad im Liegestuhl (Foto: dpa) | Bildquelle: AFPI
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Beim Sonnenbad im Gebirge wird die Kleiderordnung weniger eng gesehen als in Teheran.

Auch wenn zahlreiche westliche Beobachter sich immer wieder von der iranischen Kopftuchpflicht dazu verleiten lassen, pauschal von einem frauenfeindlichen System zu sprechen, ist dieses Urteil dennoch ungenau. Denn die Islamische Republik hat in etlichen Bereichen die Position der Frauen gestärkt.

Nach wie vor müssen sie zwar noch mit erheblichen Nachteilen vor allem beim Familienrecht kämpfen. So werden beispielsweise die Kinder bei der Scheidung meist automatisch dem Vater zugesprochen. Aber dennoch hat sich die Zahl der Akademikerinnen im Land deutlich erhöht. Waren zu Zeiten des Schahs 15 Prozent der Studierenden weiblich, so sind es heute 60 Prozent. In der Islamischen Republik gibt es mittlerweile sogar einige Universitäten, an denen in Fachbereichen wie beispielsweise Medizin vom Staat Iran eine Männerquote eingeführt wurde, um der stetig wachsenden Zahl an Studentinnen Einhalt zu gebieten.

Schirin Ebadi | Bildquelle: dpa
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Die iranische Frauen- und Menschenrechtlerin Shirin Ebadi

Dass die Frauen im Iran heute deutlich selbstbewusster sind als früher, zeigte übrigens auch die Verleihung des Friedensnobelpreises 2003 an die Anwältin, Frauen- und Menschenrechtlerin Shirin Ebadi. Die Verteidigung der Menschenrechte, so Ebadi bei der Preisverleihung, werde sicherlich einigen nicht gefallen. Sie habe aber gelernt, so die Anwältin weiter, dass Drohungen auf keinen Fall ihre Arbeit beeinträchtigen werden.

Mit Frauentaxis gegen Chauvinisten

Das gestärkte Image iranischer Frauen zeigt sich übrigens auch in der Gründung eines Frauentaxis in Teheran. Anlass hierfür war die Ansicht, dass eine gewisse Portion Chauvinismus als ganz normal angesehen wird. Damit wollten sich aber zahlreiche Frauen nicht abfinden. Und so begann vor etwa fünf Jahren eine wachsende Zahl von ihnen, sich immer wieder über Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln zu beschweren.

Zwar verschlossen die kommunalen Behörden anfangs ihre Ohren, doch der Ärger über Frauen belästigende Männer wurde immer größer, so dass Anfang 2007 die Verwaltung zustimmte und das erste Frauentaxi gegründet werden konnte. Seitdem sind die leuchtend hellgrünen Wagen aus der iranischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken.

Sämtliche Autos sind Modelle der Serie "Pride" des koreanischen Autoherstellers Kia. Wobei "Pride", zu Deutsch Stolz, durchaus als Hinweis auf die Besonderheit des Projektes zu verstehen ist. Mittlerweile berichtet sogar die internationale Presse über das Projekt, wie eine Frau erzählt: "Ich denke es war vor zwei oder drei Monaten, da sah ich im persischen Programm von Voice of America einen Bericht über das Frauen-Taxiunternehmen. Ich freute mich sehr und fühlte mich einfach sicherer."

Das Problem der Männer

Das gewachsene Selbstbewusstsein der Frauen hat allerdings auch eine Schattenseite. Vor allem Akademikerinnen haben in Folge des vielfachen Bildungsgefälles Probleme, einen adäquaten Partner zu finden. Denn die Männer sind oft nicht gewillt, ihre klassische Position in der Familie zu verlieren.

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