30. Jahrestag der Islamischen Revolution

Teil 3: 30. Jahrestag der Islamischen Revolution "Wir haben ein Recht anzureichern"

Stand: 04.02.2009 01:16 Uhr

Das iranische Atomprogramm ist der Hauptstreitpunkt der islamischen Republik mit dem Westen. Teheran pocht auf sein Recht zur Urananreicherung, doch insbesondere die USA fürchten, dass Iran heimlich Atombomben entwickelt. Klare Beweise dafür gibt es nicht.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad
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Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei seiner Rede zum "Nationalen Atomtag"

In das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit rückte das iranische Atomprogramm im Jahr 2002. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien durch Geheimdienstberichte einiger Staaten darauf hingewiesen, dass Teheran daran arbeite, eigenständig Uran anzureichern. Tatsächlich fand man ein Jahr später Spuren angereicherten Urans in der Atomanlage in Natans. Als es kurz darauf hieß, die Islamische Republik habe 18 Jahre lang ihr Nuklearprogramm verheimlicht, wurde die internationale Staatengemeinschaft hellhörig und verlangte sofortige Verhandlungen.

Solange noch die Reformer in Teheran regierten, war dies relativ einfach. Doch mit der Wahl von Mahmud Ahmadinedschad im Sommer 2005 trat eine Änderung ein. Denn der neue radikale Präsident gab nicht nach und betonte immer wieder: "Wir akzeptieren nur unser Recht im Rahmen des Atomwaffensperrvertrages, nicht ein bisschen mehr und nicht ein bisschen weniger."

Vertragliches Recht auf friedliche Entwicklung 

Dieser Satz markiert die iranische Argumentation bis heute. Denn der Atomwaffensperrvertrag, den die Islamische Republik - anders als Pakistan, Indien und Israel - ratifiziert hat, garantiert in Artikel 4 allen Unterzeichnern das unveräußerliche Recht: "die Erforschung, Erzeugung und Verwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke zu entwickeln". Allen Unterzeichnerstaaten wird also die Möglichkeit eingeräumt, an einem "weitest möglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und Informationen" teilzuhaben.

Von diesem legitimen Austausch ist Teheran aber, vor allem auf Betreiben der USA, ausgeschlossen worden. Deshalb besorgten sich die Mullahs ihr nukleares Wissen auf verborgenen Kanälen, und zwar über Pakistan, einem zwielichtigen Verbündeten Washingtons im Kampf gegen den Terrorismus.

Iran will nicht "Nüsse gegen Gold" tauschen

Auf Grund der beschriebenen Isolation des Iran gibt sich Ahmadinedschad denn auch misstrauisch gegenüber jeglichen Verhandlungsangeboten. Er sagt: "Sie glauben, sie haben es mit einem vier jährigen Kind zu tun, dem sie ein Paar Nüsse oder Schokolade anbieten, um ihm sein Gold zu nehmen. Wir brauchen die Hilfe der Europäer nicht. Wann haben wir euch denn um Hilfe gebeten? Wann haben wir euch denn um etwas gebeten, so dass ihr jetzt behauptet, uns mit Anreizen von unserem Recht auf technologischen Fortschritt abbringen zu können?!" Iran werde die Anreicherung weder aussetzen noch einfrieren.

Anreicherung mit 5000 Zentrifugen? 

Iranische Atomanlage Natans
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In der Anlage Natans wird Uran angereichert - wie effektiv und mit wie vielen Zentrifugen ist umstritten.

Anfang 2006 gelang es Iran sogar den nuklearen Brennstoffkreislauf zu schließen und gasförmiges Uran auf einen Gehalt von 3,5 Prozent anzureichern. Dies genügt für die Energiegewinnung, reicht aber nicht für Nuklearwaffen.

Die Islamische Republik hatte zu diesem Zeitpunkt 164 Zentrifugen. Heute, so behauptet Teheran, sei sie im Besitz von 5000 Zentrifugen. Der UN-Sicherheitsrat hat bislang vier Resolutionen gegen das Atomprogramm verabschiedet, welche Iran allerdings ignorierte.

Viel Unterstützung, aber auch vorsichtige Kritik

In der Bevölkerung wird das Atomprogramm als eine Frage des nationalen Prestiges angesehen und von einer deutlichen Mehrheit befürwortet. Allerdings steht die starre und unflexible Haltung des Präsidenten immer häufiger in der Kritik.

So betonte Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani, man dürfe wegen des Atompokers keinen Krieg heraufbeschwören. Gleichzeitig unterstreicht er aber auch: "Ich sage euch im Westen ganz deutlich, dass ihr auf dem Weg von Resolutionen nichts erreichen könnt. Ihr schafft dadurch nur euch selbst und der Welt und insbesondere unserer Region Probleme. Der richtige Weg ist, aufzuhören mit diesem unsinnigen Getue."

Israel und USA schließen Militärschläge nicht aus

Wie brisant der Atomstreit ist, zeigen die Reaktionen der USA und Israels. Beide Länder fassten bereits Militärschläge gegen Iran ins Auge und wollen sie auch weiterhin als eine mögliche Option aufrecht erhalten.

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