Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Weitere ARD Online-Angebote.

21.11.2009

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 10:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 05:14 Uhr
Inhalt
Ausland

Iran setzt Steinigungen als Strafmaßnahmen aus

Iran setzt Strafmaßnahmen der Scharia teilweise aus

Auspeitschen statt Steinigung

Iran beruft sich bei der Gesetzgebung auf die Scharia, das Islamische Recht - und verhängt oft grausame Strafen. Steinigungen und Handabhacken soll es in Zukunft aber nicht mehr geben, die Rechtsprechung soll geändert werden. Das Problem dabei: Die Scharia gilt eigentlich als unveränderlich.

Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkkorrespondent Istanbul

Irans Geistlicher Führer Ajatollah Ali Chamenei (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ajatollah Ali Chamenei wandelte bereits vier Steinigungsurteile um. ]
Anscheinend hat der internationale Druck - speziell der der Europäischen Union - gewirkt. Denn nach Angaben eines iranischen Justizsprechers will die Islamische Republik bis auf Weiteres die Steinigung und das Handabhacken als Strafmaßnahmen aussetzen. Der geistliche Führer, Ajatollah Ali Chamenei, so heißt es, habe bereits vier Steinigungsurteile umgewandelt, zwei davon in Auspeitschungen und zwei in zehnjährige Haftstrafen. Die weiteren Fälle sollen zurzeit geprüft werden.

Steinigung wird als Tradition ausgelegt

Der Koran sieht die Steinigung als Strafe für Ehebruch zwar nicht vor, dennoch wird sie von erzkonservativen Rechtsgelehrten als zur Tradition des Propheten Mohammed gehörend und somit als angemessen betrachtet. In Iran ist sie, wenn auch nur in wenigen Einzelfällen, immer wieder praktiziert worden - meistens auf dem Land, da in den Städten Protest zu erwarten war. Hintergrund ist, dass sich Teheran in seiner Gesetzgebung auf das Islamische Recht, die Scharia, beruft.

Diese Tatsache allerdings macht die jetzige Änderung besonders pikant. Da nämlich die Scharia als unveränderlich gilt, kann die Steinigung nicht einfach abgeschafft werden. Deshalb wird die grausame Strafe in Iran lediglich ausgesetzt. Da aber der geistliche Führer bereits seine Zustimmung zur veränderten Praxis gegeben hat, soll diese demnächst auch in einer noch vom Parlament zu beschließenden Novelle umgesetzt werden. Momentan bleibt also abzuwarten, welchen Weg die Islamische Republik einschlagen wird.

Zahl der Todesstrafen bleibt hoch

Auch wenn Iran der Praxis der Steinigung bei Ehebruch und dem Handabhacken bei Diebstahl einen Riegel vorgeschoben hat, dürfte sich das Land weiterhin internationalen Ärger zuziehen: wegen seiner rigiden Praxis des öffentlichen Auspeitschens und seiner hohen Zahl an Todesstrafen. Noch gestern wurden in der Theologenstadt Qum drei Mörder und Drogendealer gehenkt. Damit erhöhte sich die Zahl der in diesem Jahr öffentlich Hingerichteten auf 163 - es ist die zweithöchste Ziffer weltweit nach China.

Stand: 07.08.2008 17:11 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW