Menschen laufen durch eine belebte Einkaufsstraße in Teheran. | Bildquelle: AP

Parlamentswahl im Iran Hoffnung auf Veränderung

Stand: 28.02.2016 20:22 Uhr

Im iranischen Parlament steht nach der Wahl eine bedeutende Veränderung an. Durch den deutlichen Sieg der Reformer werden die Hardliner ihre absolute Mehrheit wohl verlieren. Das nährt bei vielen Iranern die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Teheran

Gemäßigte Konservative und reformorientierte Kandidaten haben im Wahlbezirk Teheran alle 30 Parlamentssitze gewonnen. Außerdem wurden Präsident Hassan Rouhani und sein Verbündeter, Ex-Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsanjani, mit deutlicher Mehrheit in den einflussreichen Expertenrat gewählt. Etliche namhafte Konservative und Hardliner werden im zehnten Parlament der Islamischen Republik hingegen wohl nicht mehr vertreten sein – allen voran Gholam-Ali Hadad Adel.

Das Parlament mit 290 Abgeordneten war bislang zu 60 Prozent von Konservativen und Hardlinern dominiert worden. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen dürfte deren Anteil auf unter 50 Prozent fallen.

Präsident Rouhani dankte den Wählern über Twitter: "Ihr habt mit euren Stimmen eine neue Ära im Land ermöglicht und ich verneige mich in Ehrfurcht vor euch." Ex-Präsident Rafsanjani kommentierte den Wahlausgang auf Instagram mit den Worten: "Wen das Volk nicht will, der muss gehen."

Reformer und Gemäßigte gewinnen Wahl im Iran
R. Baumgarten, ARD Istanbul
28.02.2016 18:14 Uhr

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Reformen besser als Revolution

Auch viele Wähler zeigten sich zufrieden. Es seien die Kandidaten gewählt worden, die das Volk wolle, meint die 48-jährige Fatemeh. Ihre Cousine Fatima ergänzt: "Reformen sind besser als eine Revolution, die das Land ins Chaos stürzt. So kommen wir Schritt für Schritt voran. Es gibt Hoffnung."

Vor dem Urnengang hatte es viel Kritik am Wächterrat gegeben, der mehr als 90 Prozent aller reformorientierten Kandidaten abgelehnt hatte. Das Wahlergebnis in der Hauptstadt habe deshalb einen besonderen Stellenwert, meint der 53-jährige Kriegsveteran Ahmed: "Anstatt zu streiken und zu zündeln, haben die Wähler durch die Wahlurnen ihr Ziel erreicht. Demokratie ist ein viel angenehmerer Weg. Die Teheraner haben politische Reife bewiesen", sagt er.

Iranische Frauen zeigen ihre Finger voll Tinte, die zeigen, dass sie gewählt haben. | Bildquelle: dpa
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Wahl im Iran: Moderate Konservative gewinnen deutlich

Nöte bei jungen Leuten groß

Es gibt auch Menschen, die nicht wählen gegangen sind. Zum Beispiel Hamzeh, er ist 30 Jahre alt. Der gelernte Koch ist aus der nördlichen Provinz Gilan wegen seiner Schulden in die Hauptstadt gekommen. "Wenn es in Gilan Arbeit gäbe, dann wäre ich gar nicht hier. Sie müssen Arbeitsplätze für junge Leute schaffen, dann kann jeder in seiner Heimat bleiben", sagt er. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten liegt bei 25 Prozent. 70 Prozent der bald 80 Millionen Iraner sind jünger als die Revolution.

Die Regierung und das neue Parlament müssten mehr für junge Menschen tun, fordert auch die Lehrerin Fatima. "Meiner Meinung nach hat die Jugend Priorität, ihre Arbeits- und Eheperspektiven -  das sind die Sorgen aller Eltern."

Landesweit lag die Wahlbeteiligung bei gut 60 Prozent, in der Hauptstadt bei rund 45 Prozent. Die Erwartungen seien hoch, meint Fatima, aber die meisten Menschen wüssten sehr wohl, dass Besserung nicht über Nacht zu erwarten sei. Viele hoffen nun, dass sich die wirtschaftliche Lage durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Parlament bessern werde.

Ob allerdings alle vom Volk gewählten Kandidaten auch wirklich ins Parlament werden einziehen können, hängt von der Entscheidung des konservativen Wächterrats ab.

Deutliche Unterstützung für den gemäßigten Präsidenten Rouhani
tagesschau 20:00 Uhr, 28.02.2016, Natalie Amiri, ARD Rom, zzt. Teheran

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