Polizisten stehen vor dem Parlament in Teheran | Bildquelle: dpa

Nach Anschlägen in Teheran "Trumps Kondolenz ist widerlich"

Stand: 08.06.2017 12:33 Uhr

Die Anschläge im Iran belasten das Verhältnis zu den USA. So wies der iranische Außenminister Jawad Zarif die Kondolenzbekundung von US-Präsident Trump zurück und bezeichnete sie als "widerlich".

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Dem Säbeltanz, den US-Präsident Donald Trump während seines Besuchs in Saudi Arabien vollführte, folgt nun das Säbelrasseln mit dem Erzfeind der Saudis, dem Iran. Trump hatte dem Iran nach dem Doppelanschlag mit 13 Toten kondoliert und gesagt, er habe für die Opfer gebetet. Dann allerdings fügte er hinzu: "Staaten, die den Terrorismus fördern, riskieren, selbst Opfer des Bösen zu werden, das sie unterstützen."

Ein Satz, der im Iran offenbar einen wunden Punkt trifft. Der iranische Außenminister Javad Zarif schimpfte daraufhin im Kurznachrichtendienst Twitter über eine "widerliche Erklärung des Weißen Hauses". Das iranische Volk weise derartige US-Freundschaftsbekundungen zurück.

Javad Zarif @JZarif
Repugnant WH statement & Senate sanctions as Iranians counter terror backed by US clients.Iranian people reject such US claims of friendship

Abgeordnete rufen: "Tod den Amerikanern!"

Glaubt man den Offiziellen in Teheran, wie etwa Parlamentspräsident Ali Laridschani, sieht sich der Iran tatsächlich als Bollwerk gegen Terrorismus: "Die Anschläge zeigen, dass die Terroristen Unruhe stiften wollten. Ausgerechnet im Iran, der ein aktives und erfolgreiches Zentrum im Kampf gegen den Terrorismus ist", erklärte Laridschani. "Sie wollten diesen Trend stoppen. Letztendlich haben die Sicherheitskräfte mit ihnen aufgeräumt und - so Gott will - auch mit dem Problem." Dann rufen die Abgeordneten im Chor: "Tod den Amerikanern!"

Nun wissen auch die Iraner, dass die Attentäter keine Amerikaner waren, sondern - wie sich im Nachhinein herausstellte - Iraner, im Auftrag der Terrormiliz "Islamischer Staat". Jedoch warfen die Revolutionsgarden Saudi-Arabien und den USA vor, in den Doppelanschlag verwickelt zu sein. Dass Trump kurz zuvor eine der reaktionärsten Regierungen in der Region besucht habe, habe den IS zu diesem Anschlag ermuntert, heißt es sinngemäß von der einflussreichen iranischen Elitearmee.

Festnahmen nach den Anschlägen in Teheran

Tatsächlich hatte Trump bei seinem Besuch in Saudi-Arabien zu einer geschlossenen Front gegen den Iran aufgerufen und bezeichnete das Land als Quelle aller Konflikte in der Region. Schon damals hatte der oberste geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei im Gegenzug das Gleiche über die Saudis gesagt: "Seit zweieinhalb Jahren bombardieren sie den Jemen. Und zwar keine militärischen Ziele sondern Straßen, Märkte, Moscheen, Krankenhäusern, Wohnhäuser - sie töten unschuldige Menschen; Frauen, Kinder Erwachsene", erklärte Khamenei. "Und der US-Präsident geht zu ihnen, stärkt ihnen den Rücken, plaudert mit ihnen. Der US-Präsident steht an der Seite einer rückwärtsgewandten Stammesherrschaft und vollzieht mit ihnen den Schwerttanz. Gleichzeitig kritisiert er eine freie Wahl mit 40 Millionen Wählern im Iran."

Die Rede hielt Khamenei drei Tage zuvor vor Tausenden Anhängern im Khomeini-Mausoleum, also an einem der Schauplätze des Doppelanschlags vom Mittwoch.

Die iranischen Sicherheitsbehörden haben nach den Anschlägen ihre Kontrollen verstärkt. In den U-Bahnen und auf den Straßen patrouillieren mehr Polizisten als sonst. Sechs Verdächtige wurden festgenommen, es wird geprüft, ob sie an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt waren.

Iran kritisiert USA
C. Buttkereit, ARD Istanbul
08.06.2017 12:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juni 2017 um 12:41 Uhr.

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