Mohammed bin Salman, Kronprinz Saudi-Arabiens | Bildquelle: dpa

Raketenangriff auf Riad Scharfer Ton zwischen Saudi-Arabien und Iran

Stand: 07.11.2017 21:08 Uhr

Nach dem Raketenangriff auf Riad droht der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zu eskalieren. Die Regierung in Riad wirft Teheran "kriegerische Handlungen" vor. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini warnte, die derzeitige Entwicklung sei "extrem gefährlich".

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verschärft sich weiter. Nachdem Huthi-Rebellen - die vom Iran unterstützt werden - vom Bürgerkriegsland Jemen aus eine Rakete auf den internationalen Flughafen von Riad abgefeuert haben, macht der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman dem Iran schwere Vorwürfe. Der Iran habe die Rakete an die Rebellen geliefert, sagte der Kronprinz. Die iranischen Waffenlieferungen an die Huthis im Jemen kämen einem "kriegerischen Akt" gleich.

Der Iran unterstützt nach eigenen Angaben die schiitischen Huthi-Rebellen - die Lieferung von Waffen gehöre aber nicht zu dieser Unterstützung, erklärte Teheran wiederholt. Gleichzeitig verurteilte die Regierung die Stimmungsmache von Hardlinern im eigenen Land gegen Saudi-Arabien scharf. "Das ist gegen die nationalen Interessen und wir lassen das nicht zu", sagte Regierungssprecher Mohammed Bagher Nobacht. Eine konservative Zeitung hatte den Raketenangriff auf Riad begrüßt und weitere Attacken auf Dubai gefordert.

Streit auch über Libanon

Ein weiterer Vorwurf der Saudis: Die Regierung des Libanon, an der die vom Iran unterstützte Hisbollah beteiligt ist, habe Saudi-Arabien faktisch den Krieg erklärt, sagte ein saudischer Minister. Riad wirft der Hisbollah vor, Drogen nach Saudi-Arabien zu schmuggeln und Terroristen zu unterstützen. Zudem trat am Wochenende der libanesische Regierungschef Saad al-Hariri zurück. Er ist Sunnit, genau wie das saudische Königshaus. Dieses befürchtet nun, dass die schiitische Hisbollah an Einfluss gewinnen könnte im Libanon.

Mohammed bin Salman, Kronprinz Saudi-Arabiens, und Saad Hariri | Bildquelle: AP
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Bin Salman empfing den zurückgetretenen libanesischen Regierungschef Hariri - beide sind Sunniten.

"Extrem gefährlich"

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte vor einer weiteren Zunahme der Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Die derzeitige Eskalation sei "extrem gefährlich", sagte Mogherini bei einem Besuch in Washington. Beide Seiten sollten ihre Rhetorik mäßigen und nach einem "Minimum von Konsens" suchen, um die Grundlage für Frieden zu stiften.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, - Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA in der Region - warf dem Iran vor, die angebliche Lieferung von Raketen an die Huthis verletze "gleichzeitig zwei UN-Resolutionen". Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verurteilte den Raketenbeschuss durch die Huthi-Rebellen auf einen überwiegend zivilen Flughafen als "offensichtliches Kriegsverbrechen". Allerdings dürfe das keine Rechtfertigung für Saudi-Arabien sein, die humanitäre Katastrophe im Jemen weiter zu verschärfen.

Ringen um Vorherrschaft

Saudi-Arabien und der Iran ringen in der Region um die Vorherrschaft und führen im Jemen, der an Saudi-Arabien grenzt, bereits einen Stellvertreterkrieg. Teheran unterstützt die schiitischen Huthi-Rebellen, die Jemens Hauptstadt Sanaa und große Teile des Landes kontrollieren. Riad führt seit März 2015 eine arabische Militärkoalition an, um Jemens vertriebenen Präsidenten Abd Rabbo Mansur zurück an die Macht zu bringen.

Dazu kommen konfessionelle Konflikte: Saudi-Arabien versteht sich als Schutzmacht der Sunniten, der Iran als die der Schiiten. Zudem besteht in Saudi-Arabien eine Monarchie, während sich der Iran als Islamische Republik sieht - die 1979 in einer Revolution den Schah als alleinigen Machthaber von der Macht verdrängte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2017 um 20:00 Uhr.

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