Ein Soldat geht vor einem Wandbild, das den Obersten Religionsführer Ayatollah Khameini zeigt. | Bildquelle: AFP

Iran Revolutionsgarden verkünden Ende der Proteste

Stand: 07.01.2018 16:35 Uhr

Die Unruhen im Iran sind vorüber - das haben die Revolutionsgarden verkündet. Ihre offizielle Internetseite gab den USA, Israel und Saudi-Arabien die Schuld an den Unruhen. Parlamentspräsident Laridschani forderte von der Regierung, die Ziele der Demonstranten ernst zu nehmen.

Der Iran und seine Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Revolutionsgarden die jüngste Protestwelle im Land für beendet erklärt. Das revolutionäre iranische Volk habe zusammen mit den Garden, der Polizei und dem Geheimdienst die Kette von Unruhen zerschlagen.

Auf ihrer Internetseite beschuldigten die Revolutionsgarden die USA, Israel und Saudi-Arabien, die Proteste geschürt zu haben.

"Fehler bei Verhaftungen umgehend korrigieren"

Parlamentspräsident Laridschani forderte von den Behörden eine lückenlose Aufklärung des Vorgehen gegen die Demonstranten. "Wir wollen nicht, dass die Rechte von Menschen nur deshalb verletzt werden, weil sie Kritik äußern", sagte Laridschanis Sprecher Behrus Nemati nach einer Sondersitzung des Parlaments auf Antrag der Reformer. "Die Regierung muss die Forderungen der Demonstranten auf ihre Agenda setzen und sorgfältig überprüfen."

Falls es bei den Verhaftungen Fehler gegeben haben sollte, müssten diese umgehend korrigiert werden.

Offizielle Angaben über die genaue Zahl der Festgenommenen machten die Behörden nicht. Schätzungen gehen von landesweit 1000 bis 1800 aus, darunter fast 100 Studenten. Nach jüngsten Polizeiangaben gab es 18 Tote.

Staatlich organisierte Kundgebungen

In der Nacht zum Sonntag gab es keine BerichSte über neue Proteste. Dafür kam es erneut landesweit zu staatlich organisierten Kundgebungen von Anhängern des Regimes. Nach Angaben des Staatsfernsehens verurteilten Hunderttausende die "ausländische Verschwörung" und betonten ihre Solidarität mit der islamischen Führung des Landes. Dabei waren Plakate gegen die Reformer-Regierung von Präsident Hassan Ruhani zu sehen und Ruhani-kritische Parolen zu hören.

Anhänger des Regimes demonstrieren in Teheran. | Bildquelle: AP
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Nach dem Freitagsgebet demonstrierten Hunderte Anhänger des Regimes gegen die Proteste der Regierungsgegner.

Das Fernsehen berichtete live von den Kundgebungen. Bilder aus Schahr-e Kord zeigten Hunderte Menschen, die trotz heftiger Schneefälle zusammenkamen. Sie riefen "Tod für Amerika", "Tod für Israel", "Tod für Großbritannien" und "Tod den Aufrührern".

Kritik an USA

Die USA hatten die Proteste in Iran unterstützt und eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats dazu initiiert. Dafür wurden sie scharf kritisiert. Der französische UN-Botschafter Francois Delattre warnte die USA davor, die Lage für eigene Interessen zu nutzen. Auch die Vertrter Russlands und Chinas äußerten sich kritisch.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley rechtfertigte dagegen das Vorgehen ihres Landes und sicherte den Menschen im Iran den Beistand der USA zu. Sie warnte die Führung in Teheran, die Proteste nicht wie zuletzt 2009 zu unterdrücken. Die USA würden diesmal nicht still zuschauen.

Proteste im Iran (Archivbild: 30. Dezember 2017) | Bildquelle: dpa
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Bei Zusammenstößen mit der iranischen Polizei wurden seit Ende Dezember mindestens 21 Menschen getötet und Hunderte festgenommen.

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Preissteigerungen hatten Ende Dezember in mehreren Städten Proteste ausgelöst. Es waren die größten Proteste seit 2009.

Über dieses Thema berichtete am 07. Januar 2018 NDR Info um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 19:00 Uhr.

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