Proteste im Iran | Bildquelle: picture alliance / AA

Unruhen im Iran Der Protest findet immer neue Wege

Stand: 31.12.2017 14:29 Uhr

Am letzten Tag des Jahres sind weitere Demonstrationen im Iran geplant. Doch das Ziel der Regierung ist klar: Die Proteste sollen so schnell wie möglich unterdrückt werden - mit welchem Ergebnis, ist bislang unklar.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul

Der iranische Innenminster Abdulresa Rahmani Fasli versucht, die Proteste der vergangenen drei Tage im Iran als Aufstand gegen das eigene Volk darzustellen. In einer Mitteilung am letzten Tag des Jahres spricht er zwar von Forderungen der Iraner, für die es aber legale Kanäle gebe. Wer sich außerhalb der Gesetze bewege, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Andere Mitglieder der iranischen Staatsführung hatten in den vergangenen Stunden deutlich dramatischer formuliert, worum es dem Regime in diesen Tagen geht. Der sich an vielen Stellen im Iran entladende Frust soll wie auch immer möglichst schnell unterdrückt werden.

Der Tod zweier Demonstranten bei Protesten in der Stadt Dorud im Westen des Iran bleibt dabei weiter ungeklärt. Das iranische Staatsfernsehen bestätigte zwar die Todesfälle. Das für Sicherheitsfragen verantwortliche Gouverneursamt der Provinz Lorestan beteuerte aber zugleich, dass die iranische Polizei nicht beteiligt gewesen sei, als die beiden starben.

Weitere Kundgebungen geplant

Unzählige Online-Videos gehen um die Welt, sie zeigen, wie Hunderte, manchmal auch Tausende Menschen in verschiedenen iranischen Städten vor allem gewaltfrei protestieren. Vereinzelt ist der Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas durch Sicherheitskräfte und Polizisten zu sehen. Auch die sogenannten Revolutionsgarden sollen im Einsatz sein.

Da das Internet im Iran weiterhin nur eingeschränkt funktioniert, ist ein genauer Überblick über die Lage im Moment aber nicht möglich. Laut staatlichem Fernsehen wurde nun auch der Zugang zu weiteren sozialen Medien begrenzt, betroffen seien Instagram und der Messenger-Dienst Telegram.

Am heutigen letzten Tag des Jahres werden aus Teheran und anderen Städten lediglich vereinzelt Demonstrationen von Studenten gemeldet, die das Regime unterstützen. Für den Abend sind weitere Protestkundgebungen geplant. Doch was unter den immer schärfer werdenden Kontrollen der iranischen Polizei und Sicherheitseinheiten überhaupt noch möglich ist, bleibt abzuwarten.

Online scheint sich die iranische Protestbewegung derweil immer wieder erfolgreich gegen die Verfolgung durch das Regime zu wehren. Nachrichtenportale, die gesperrt wurden, tauchen unter verändertem Namen und auf neuen Wegen wieder auf. Beobachter im Iran vermuten, dass der Protest in diesen Tagen von sehr vielen Menschen getragen wird und dass er sich über das Internet immer wieder neu seinen Weg bahnt.

Unruhen im Iran
Michael Lehmann, ARD Istanbul
31.12.2017 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2017 um 13:06 Uhr.

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