Proteste in Teheran | Bildquelle: AFP

Behörden bestreiten Polizeigewalt Tote bei Protesten im Iran

Stand: 31.12.2017 09:06 Uhr

Die Lage im Iran scheint zu eskalieren: Am dritten Tag der regierungsfeindlichen Proteste wurden gestern zwei Menschen erschossen. Schuld sei aber nicht die Polizei, erklärten regionale Behörden. Irans Regierung erneuerte unterdessen ihre Drohung gegen die Demonstranten.

Bei den regimekritischen Protesten im Iran sind zwei Demonstranten getötet worden. Vom Tod der zwei Demonstranten im westiranischen Dorud war schon am Samstagabend in sozialen Netzwerken berichtet worden. Er wurde jetzt vom Nachrichtenportal des Staatsfernsehens bestätigt.

Nach Angaben der Provinzregierung von Lorestan war die Polizei aber nicht an dem Vorfall beteiligt. Die Demonstration habe friedlich enden sollen. Es seien jedoch Unruhestifter dort gewesen. Im Laufe der Nacht seien dann zwei Bürger der Stadt getötet worden.

Auf die Todesursache gingen die Behörden nicht näher ein. Es gebe aber Hinweise darauf, dass sunnitische Extremisten und ausländische Agenten beteiligt gewesen seien.

Natalie Amiri @NatalieAmiri
Demonstranten gerade in #Teheran. Sie rufen: Gleichheit, Freiheit, IRANISCHE Republik. Der Slogan der Revolution ihrer Eltern 1979 lautete: ISLAMISCHE Republik. #iranprotests https://t.co/u0rzbcdK4s

Zusammenstöße in Teheran

An mehreren Stellen in der Hauptstadt Teheran hatten sich Demonstranten versammelt. An der Universität gab es laut Augenzeugen Zusammenstöße zwischen Polizei und Studenten.

In Videos aus den sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie die Polizei die Studenten auf dem Universitätsgelände auseinandertreibt. Anschließend werden sie von mehreren Hundert regierungstreuen Demonstranten verdrängt. Staatsmedien zeigten Bilder von brennenden Mülleimern und anderen Zerstörungen und verurteilten die "Unruhestifter".

In der Stadt Arak wurden der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Ilna zufolge etwa 80 Demonstranten festgenommen.

Regierung droht Demonstranten

Innenminister Abdolrahman Rahmani Fasli kündigte ein entschiedenes Vorgehen an. Wer "die Ordnung stört und gegen das Gesetz verstößt, muss sich dafür verantworten und wird dafür bezahlen", sagte er im Staatsfernsehen. Der Staat werde gegen "die Verbreitung von Gewalt, Angst und Terror" vorgehen.

Durch den erschwerten Zugang von Journalisten in das Land ist die Berichterstattung eingeschränkt.

Das iranische Staatsfernsehen räumte am Samstag ein, dass es bisher auf Anordnung nicht über Proteste berichtete. Einige Demonstranten hätten den Namen des früheren Schahs skandiert, der wegen der Islamischen Revolution 1979 ins Exil gegangen war. Das Fernsehen warf den Demonstranten und ausländischen Medien vor, die wirtschaftlichen Probleme der Iraner und deren legitime Forderungen auszunutzen, um illegale Versammlungen zu ermöglichen und Chaos zu säen. In dem Bericht wurde aber betont, dass die Iraner das Recht zu Demonstrationen hätten.

Größte Proteste seit 2009

Die Proteste hatten am Donnerstag in der Stadt Maschad begonnen. Sie richteten sich zunächst gegen die hohen Preise und die Arbeitslosigkeit im Lande. Doch zunehmend wurde auch politischer Unmut über die iranische Führung um Präsident Hassan Rouhani laut. Politische Proteste sind im Iran angesichts der Allgegenwart von Sicherheitskräften selten. Mehr als 50 Menschen wurden wegen der Teilnahme an Demonstrationen bislang festgenommen.

Seit der "grünen Bewegung" 2009 sind es die wohl größten Proteste im Iran. Damals waren Tausende Menschen wegen Wahlbetrugs-Vorwürfen bei der Wiederwahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten auf die Straße gegangen.

Proteste im Iran
Michael Lehmann, ARD Istanbul
31.12.2017 07:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau24 am 31. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

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