Ölförderung im Iran | Bildquelle: dapd

Der Iran und die kriselnde OPEC Öl-Comeback kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt

Stand: 18.01.2016 18:03 Uhr

Die großen Öl-Reserven im Iran dringen zum falschen Zeitpunkt auf den Markt. Es herrscht eine Politik des offenen Öl-Hahns. Der Iran will seine Produktion in den kommenden Monaten aber verdoppeln, was den Öl-Preis weiter sinken lassen könnte.

Von ARD-Energieexperte Jürgen Döschner, WDR

Wirbelstürme, Terroranschläge, große Unfälle - das alle kann den sensiblen Ölpreis innerhalb kürzester Zeit nach unten oder nach oben katapultieren. Aber die Aufhebung der Sanktionen gegen Iran, gegen eines der wichtigsten OPEC-Mitglieder und das Land mit den viertgrößten Erdölreserven der Welt, kam nicht über Nacht. Und dennoch: Aus Sicht der Erdölproduzenten erscheint dieses Comeback wie eine Naturkatastrophe. Denn das Umfeld für die Rückkehr Irans auf den globalen Ölmarkt könnte kaum ungünstiger sein.

Irans Auftritt kommt zur falschen Zeit

Fachleute schätzten, dass bereits vor der Aufhebung der Sanktionen gegen Iran der weltweite Erdöl-Überschuss bei 0,5 bis zwei Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag lag. Seit Mitte 2014 ist der Preis für das meistgehandelte und wichtigste Gut der Weltwirtschaft um rund 75 Prozent gefallen. Fast täglich werden neue Minusrekorde gebrochen. Die 30-Dollar-Marke ist bereits gefallen. Manche Analysten sprechen bereits von Preisen unter 20 Dollar pro Fass. Und just in dieser Situation tritt auch noch Iran auf die Bühne.

Petrochemischer Komplex Mahshahr in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Iran | Bildquelle: dpa
galerie

Der Iran hat reichlich Öl und darf jetzt wieder exportieren

Schon kurzfristig will Teheran 500.000 Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt bringen. In den vergangenen Monaten angesammelte Reserven in Höhe von 30 Millionen Barrel liegen in Tanks an Land und auf Tankschiffen bereit. Die Förderanlagen selbst sind veraltet und bedürfen dringend massiver Aufrüstung.

Öl-Ausstoß wird verdoppelt

Das kann Monate, wenn nicht Jahre dauern. Aber Verhandlungen mit möglichen Investoren und Lieferanten für die nötige Technik laufen bereits. Im Februar findet in London eine erste Konferenz mit möglichen Abnehmern des Iran-Öls statt. Teheran ist fest entschlossen, seine Produktion und seine Exporte so schnell wie möglich hoch zu fahren. Ziel ist es, den Ausstoß von jetzt knapp drei Millionen Barrel am Tag auf rund sechs Millionen zu verdoppeln. Der Zugang zu internationalen Banken - jetzt wieder möglich aufgrund der Aufhebung von Sanktionen - ist in dem Zusammenhang genauso wichtig wie der zum Ölmarkt selbst.

Iran erfüllt Atomabkommen: USA und EU heben Sanktionen auf
17.01.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Saudi-Arabien will den Erzfeind schwächen

Dass das Comeback Irans als globaler Erdöl-Lieferant auf ein derart schlechtes Marktumfeld mit historisch niedrigen Preisen trifft, dürfte allerdings kein Zufall sein. Die von der OPEC-Führungsmacht Saudi-Arabien seit einigen Monaten praktizierte Politik des offenen Öl-Hahns richtet sich nach Ansicht von Beobachtern längst nicht nur gegen die lästigen Konkurrenten in den USA und Russland.

Iran könnte ein weiteres Ziel dieser Strategie gewesen sein, mit der das saudische Königshaus die ökonomische und militärische Wiedererstarkung des schiitischen Erzfeindes zu verhindern sucht. Denn auch wenn Teheran seine nukleare Bewaffnung aufgegeben hat: Die konventionelle Aufrüstung wird sicher fortgesetzt, und die Petro-Dollars dürften dabei eine wichtige Rolle spielen.

Freude bei Autofahrern, Problem für Russland

Für die großen Industrieländer und die erdölimportierenden Länder, ist diese Entwicklung auf den ersten Blick paradiesisch. Als lachende Dritte freuen wir uns über niedrige Spritpreise und ein gewaltiges Konjunkturprogramm - finanziert von den Ölscheichs. Mehr als eine Billion US-Dollar sollen allein die USA im vergangenen Jahr durch den gesunkenen Ölpreis gespart haben.

Dass diese Umverteilung auf der anderen Seite Verlierer schafft, ist logisch. Russland stöhnt unter enormen Einnahmeverlusten für den Staatshaushalt, die Währung gerät unter Druck, Moskau prüft, einen Teil des staatlichen Ölkonzerns Rosneft zu verkaufen.

Aufhebung der Iran-Sanktionen: Weltweite Reaktionen
17.01.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Hiobsbotschaften bei der OPEC

Auch in der OPEC häufen sich die Hiobsmeldungen. Venezuela hat letzte Woche wegen der sinkenden Erdöl-Einnahmen den ökonomischen Notstand ausgerufen. Und selbst das mächtige Saudi-Arabien zeigt erste Anzeichen der Schwäche. Die staatlichen Subventionen für Energie wurden drastisch gekürzt, und auch die Saudis überlegen, einen Teil ihres Tafelsilbers, des staatlichen Ölriesen Saudi-Aramco, an die Börse zu bringen.

Der derzeitige Vorsitzende der OPEC Emmanuel Ibe Kachikwu nimmt am seinen Platz auf der Bühne ein. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der derzeitige Vorsitzende der OPEC Emmanuel Ibe Kachikwu beim letzten Treffen im Dezember.

In der OPEC, der einst so mächtigen „Organisation erdölexportierender Länder", rumort es angesichts dieser Entwicklung heftig. Einige Beobachter sprechen von der schwersten Krise des Kartells in seiner 55-jährigen Geschichte. Der amtierende Präsident der OPEC, der nigerianische Ölminister Emmanuel Kachikwu, forderte in einem TV-Interview offen die Führungsmacht Saudi-Arabien heraus und verlangte ein Krisentreffen der Organisation - möglichst schon im Februar.

Keine offene Öl-Hahn-Politik mehr

Das Ziel ist offensichtlich, die derzeitige Politik des offenen Öl-Hahns zu überdenken. Einige andere kleinere OPEC-Mitglieder verlangen schon seit längerem eine solche Wende. Sie dürften sich nun mit einem erstarkten Iran zusammenschließen. Denn Teheran möchte ebenfalls, dass die etablierten OPEC-Länder, allen voran Saudi-Arabien, ihre Förderung drosseln - zumindest so weit, dass das jetzt freigegebene Öl aus dem Iran den Markt nicht zusätzlich überschwemmt.

Ob es zu diesem Krisentreffen kommen wird, ist offen. Noch stehen Saudi-Arabien und seine Verbündeten wie die Vereinigten Arabischen Emirate hinter der gegenwärtigen Kampflinie des billigen Öls. Aber je weiter der Ölpreis sinkt, desto größer wird der Druck. Und wenn die Saudis den richtigen Zeitpunkt verpassen, dann könnte ihnen das gesamte Ölkartell um die Ohren fliegen.  

Korrespondent

Jürgen Döschner Logo WDR

Jürgen Döschner, WDR

@jdoeschner bei Twitter
Darstellung: