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US-Verteidigungsminister berät über Atomprogramm
Israel schließt Alleingang gegen Iran nicht aus
Neben der Syrien-Krise schwelt der Konflikt um das Atomprogramm des Iran weiter. Bei einem Besuch von US-Verteidigungsminister Panetta in Israel wurde erneut klar, dass die Regierung in Jerusalem eine militärische Lösung nicht ausschließt, auch ohne das Einverständnis der USA.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
US-Verteidigungsminister Leon Panetta hielt sich bei einer Pressekonferenz mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak mit Kriegsdrohungen zurück. Wenn Iran weiter an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite, dann seien die Vereinigten Staaten darauf vorbereitet, "andere Optionen" umzusetzen, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in Israel. Gemeint ist ein Militärschlag gegen iranische Atomanlagen.
Aber diese Drohung bleibt erkennbar die zweite Option für die amerikanische Regierung. "Ich möchte mich nicht an Spekulationen beteiligen, was wir tun werden oder was nicht. Meine Hoffnung ist, dass wir zusammenarbeiten. Denn es geht hier um eine gemeinsame Sache. Wir sind beide interessiert, Iran daran zu hindern, eine Atomwaffe zu erlangen." Panetta und seine israelischen Gesprächspartner bemühten sich, anders als bei früheren Treffen, die Differenzen in der Iran-Politik nicht zu deutlich nach außen zu tragen.
"Alle Optionen sind auf dem Tisch", auch die militärische, das ist weiterhin die Devise der US-Regierung. Aber: "Wir müssen alle Optionen, alle Möglichkeiten ausreizen, bevor wir auf eine militärische Option zurückgreifen." Bis zu den US-Präsidentschaftswahlen im November sind Präsident Obama und sein Verteidigungsminister offenkundig nicht an einem Militärschlag gegen Iran interessiert.
Israelischer Militärschlag auch ohne USA möglich
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dagegen bemüht sich in diesen Tagen, das Thema der iranischen Bedrohung erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Am Dienstag gab er den drei wichtigsten israelischen Fernsehprogrammen Interviews - auf eigene Initiative. Darin betonte er, dass Israel notfalls auch ohne die USA bereit sei, das iranische Atomprogramm zu bombardieren: "Israel hat das Recht, sich mit eigenen Kräften selbst zu verteidigen, gegen jede Bedrohung. Es ist völlig klar, dass wir die Entscheidungen treffen müssen, die unser Schicksal und unsere Zukunft bestimmen."
Panetta in Israel zu Gesprächen über Iran
Sebastian Engelbrecht, ARD Tel Aviv
01.08.2012 21:53 Uhr
Netanjahu hört nicht auf Warnungen im eigenen Land
Die Sanktionen Europas und der USA schadeten zwar der iranischen Wirtschaft, sagte Netanjahu. Aber sie hätten das iranische Atomprogramm "noch um keinen Millimeter zurückgeworfen". Die Skepsis des Generalstabschefs und der Geheimdienst-Direktoren im eigenen Land interessiert den Ministerpräsidenten nicht. Am Ende entscheide die Regierung über den Angriff und nicht das untergeordnete Militär.
Gestützt wird Netanjahu nach wie vor von seinem Verteidigungsminister. Barak erklärte, er halte die Wahrscheinlichkeit für "äußerst gering", Iran mit Verhandlungen von seinem Atomprogramm abzubringen. Über den Iran sagte er: "Sie sind sehr nah dran, Uran auf 20 Prozent anzureichern, und dies in einer Menge, die annähernd gebraucht wird, um eine Waffe zu produzieren. Sie machen jeden Tag weiter. Es geht hier nicht um eine passive Symmetrie." Israel habe eindeutig etwas zu verlieren. Denn Sanktionen und Diplomatie brauchten Zeit, die die Iraner nicht nur für eine weitere Anreicherung nutzten.
Dennoch diskutierten Barak und Panetta bei ihrem Treffen keine Details eines möglichen Angriffs auf Iran. So erklärte es der US-Verteidigungsminister.
Stand: 01.08.2012 21:56 Uhr
