Der U.S. Navy Flugzeugträger Truman | Bildquelle: AP

Angeblicher Raketentest in Straße von Hormus USA werfen Iran Provokation vor

Stand: 30.12.2015 11:06 Uhr

Kriegsschiffe der Iranischen Revolutionsgarden sollen in der Straße von Hormus Raketen getestet haben - in unmittelbarer Nähe eines US-Flugzeugträgerverbandes. Die USA sprechen von einer "höchst provokativen Aktion", Teheran schweigt bisher.

Die iranische Marine hat nach Angaben der US-Armee Raketentests in unmittelbarer Nähe amerikanischer Kriegsschiffe durchgeführt. Der Vorfall habe sich bereits am 26. Dezember in der Straße von Hormus ereignet, teilte der Sprecher des US-Zentralkommandos, Kyle Raines, mit. Er sprach von "höchst provokativen, gefährlichen und unprofessionellen Aktionen".

Die Raketenstarts stellten infrage, ob der Iran seinen Verpflichtungen für die Sicherheit in der extrem bedeutsamen internationalen Wasserstraße nachkomme. Durch die Straße von Hormus wird sehr viel Erdöl transportiert, das zuvor zum Beispiel in Kuwait, Saudi-Arabien und Irak verladen wurde.

Iranische Regierungsvertreter äußerten sich bisher nicht zu den Anschuldigungen und den Tests. Die französische Armee bestätigte der Nachrichtenagentur AP die Darstellung der USA. Allerdings betrachte man die Raketenstarts nicht als Bedrohung, weil diese eindeutig nicht in Richtung der westlichen Flotte abgeschossen worden seien.

23 Minuten Vorwarnung

Nach Darstellung des Zentralkommandos wurden die ungelenkten Raketen nur etwa 1300 Meter vom Flugzeugträger "Harry S. Truman", dem Zerstörer "John D. Bulkleey" und der französischen Fregatte "Provence" entfernt abgefeuert. Die Schiffe der Iranischen Revolutionsgarden hätten die Raketenstarts nur 23 Minuten zuvor angekündigt. Auch Handelsschiffe seien in der Nähe gewesen.

Raines stellte klar, dass die Raketen nicht in Richtung der Schiffe der internationalen Militärkoalition oder Handelsschiffe abgefeuert wurden.

Die "Harry S. Truman" im Golf von Oman | Bildquelle: AP
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Kurze Vorwarnung für die Besatzung der "Harry S. Truman" - hier im Golf von Oman

Ungewöhnlich für die bilaterale Zusammenarbeit

Raketenstarts so nah an Kriegsschiffen anderer Nationen sind ebenso ungewöhnlich wie eine so kurze Vorwarnzeit. Insbesondere ungelenkte Raketen können vom Kurs abkommen und dann andere Schiffe gefährden. 1,3 Kilometer sind zudem innerhalb des innersten Verteidigungsbereiches des Flugzeugträgers, der mehr als 300 Meter lang ist.

Üblicherweise arbeiteten die Seestreitkräfte Irans mit den anderen Staaten routiniert zusammen. Die Revolutionsgarden sind ein spezieller Teil der iranischen Armee, deren offizieller Auftrag der Schutz der Islamischen Revolution ist. Sie haben eigene Land-, Luft- und Seestreitkräfte und gelten als Staat im Staate. Die Führung der Revolutionsgarden hat enge Verbindungen zur geistlichen Elite des Landes.

Einheiten der Revolutionsgarden kämpfen in Syrien an der Seite von Machthaber Bashar al-Assad gegen verschiedene Rebellengruppen. In der Provinz Latakia sollen sie teils hohe Verluste gegen Aufständische erlitten haben, die von den USA mit Waffen versorgt werden.

Die USA führen eine internationale Militärallianz an, die im Irak und Syrien Luftangriffe gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" fliegt. Dabei werden auch Flugzeuge der "Harry S. Truman" eingesetzt.

Neuer Streit nach dem Atomabkommen?

Die Raketentests könnten neue Spannungen zwischen dem Iran und den USA auslösen, nachdem sich die Beziehungen in den vergangenen Monaten deutlich verbessert hatten. Erst am 28. Dezember hatte US-Außenminister John Kerry den Iran dafür gelobt, dass er einen Großteil seines niedrig angereicherten Urans nach Russland verschiffte. Dies ist eine der zentralen Vereinbarungen des Atomabkommens vom 14. Juli dieses Jahres, das einen jahrelangen Streit zwischen westlichen Staaten und dem Iran beenden soll.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Dezember 2015 um 09:00 Uhr.

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