US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Atomabkommen vor dem Aus? Trump heizt Konflikt mit dem Iran an

Stand: 08.10.2017 03:57 Uhr

Das Atomabkommen mit dem Iran galt als historischer Durchbruch. Teherans Nuklearprogramm wurde ausgebremst, Sanktionen gelockert. Nun aber scheint US-Präsident Trump wieder auf Konfrontation zu setzen - was anderen Staaten in der Region durchaus gefällt.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

"Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm" - mit dieser Bemerkung befeuerte US-Präsident Donald Trump bei einem eher harmlosen Fototermin mit Militärs im Weißen Haus Spekulationen um einen Showdown mit dem Iran. Nächste Woche muss er dem Kongress mitteilen, ob sich Teheran an das Atomabkommen hält - eigentlich Routine: Zweimal hat er das schon getan. Ein drittes Mal wird es womöglich nicht geben. Damit spitzt sich ein Konflikt dramatisch zu, der eigentlich längst als entschärft galt.

Iran auf dem Weg zur Atommacht

Gespräche über das iranische Atomprogramm in Genf
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13 Jahre wurde über das iranische Atomprogramm verhandelt.

Das Atomabkommen galt als historischer Durchbruch. 13 Jahre rangen sechs Mächte, darunter Deutschland, mit dem Iran um sein umstrittenes Nuklearprogramm. Der Westen hegte Befürchtungen, das Regime in Teheran arbeite heimlich am Bau von Atombomben. Sanktionen setzten dem Iran zwar wirtschaftlich zu, hielten ihn aber letztlich nicht davon ab, Uran in großem Umfang anzureichern und mit einem Schwerwasserreaktor zu experimentieren - zwei mögliche Wege zum Bau der Bombe.

Experten zufolge fehlte dazu nicht mehr viel. Es hätte die Region in ein Pulverfass verwandeln können. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die sieben Mächte 2015 auf eine Begrenzung der Urananreicherung, die Stilllegung des Schwerwasserreaktors, tägliche Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA. Im Gegenzug wurden Sanktionen gelockert. Die Welt sei dadurch sicherer geworden, meinten viele.

Geteilte Reaktion auf Abkommen

In der islamischen Welt löste der Deal ein tektonisches Beben aus. Der Iran kehrte als Partner auf das internationale Parkett zurück - ein Erfolg auch für den gemäßigten Präsidenten Rohani. Für die Diplomatie eröffneten sich neue Chancen. Weltweit hofften Konzerne, nicht zuletzt der deutsche Maschinenbau, auf Milliardenaufträge aus Teheran.

Doch dem Jubel im Westen stand wütender Protest aus Israel und Saudi-Arabien gegenüber. Beide Länder fürchteten um ihre privilegierte Partnerschaft mit den USA. Gerade das saudische Königreich wollte den Aufstieg des Erzfeinds um jeden Preis verhindern. Die Rivalität zwischen der sunnitischen Dynastie in Riad und dem schiitischen Regime in Teheran überschattet seit Jahrzehnten die Region.

Ringen um die Vorherrschaft in der Golfregion

"Es gibt ein historisches Misstrauen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran", sagt Mohammed Ezz El Arab vom Al-Ahram Institute for Political and Strategic Studies in Kairo gegenüber tagesschau.de. "In den vergangenen Jahren ist dieses Misstrauen immer mehr in Feindschaft umgeschlagen. Letztlich geht es um die Vorherrschaft in der Golfregion."

Während der Iran mit Hilfe schiitischer Milizen im Irak und Syrien seinen Einfluss systematisch ausbaute, verzettelte sich Saudi-Arabien mit einer milliardenteuren Militärintervention im Jemen. Umso vehementer machten die Saudis in Washington Stimmung gegen Teheran und das Atomabkommen - letztlich mit Erfolg.

Trump: Schlechtester Deal in der Geschichte der USA

Schon im Wahlkampf bezeichnete Donald Trump das Abkommen als schlechtesten Deal in der Geschichte der USA. Als Präsident führte seine erste Auslandsreise nach Riad, inklusive milliardenschweren Rüstungsdeals und Schwerttanz im Königshaus.

Trumps Ausfälle gegen den Iran häufen sich seither. Er bemüht wieder nach Kräften das Bild des Schurkenstaats und stärkt damit die Hardliner im Iran. Die Aufkündigung des Atomabkommens wäre nur konsequent. Sinn allerdings macht es nach Meinung vieler Experten nicht.

"Neues unheimliches Atom-Szenario"

Screenshot des iranischen Fernsehens, der Zentrifugen in der Atomanlage Natans zeigen soll
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Der Iran war offenbar mit seinem Atomprogramm sehr weit vorangekommen.

Die IAEA bescheinigt dem Iran bislang, alle Vorgaben einzuhalten. Käme Trump dennoch zu einer gegenteiligen Einschätzung, könnte der US-Senat innerhalb von 60 Tagen neue Sanktionen beschließen und damit das Ende des Deals besiegeln. "Die Folge wäre eine Katastrophe und würde die Konfliktsituation nicht nur im Nahen Osten, sondern auch weltweit befeuern", so der Politikwissenschaftler Ezz El Arab.

"Der Iran würde seine Atomanreicherung wieder aufnehmen. Die Aufrüstung zahlreicher Staaten der Region würde neue Rekordmarken erreichen. Die Instabilität in der arabischen Welt würde weiter zunehmen. Niemand kann ausschließen, dass ein neues unheimliches Atom-Szenario entsteht." Manch ein Beobachter sah im Atomabkommen die Blaupause, um den Konflikt mit Nordkorea zu entschärfen. Nun aber stehen die Zeichen auch in der islamischen Welt auf Sturm.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 08. Oktober 2017 um 19:20 Uhr.

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