Demonstranten in Teheran (Foto vom 30.12.2017) | Bildquelle: AP

Iran Neue Proteste, neue Appelle

Stand: 01.01.2018 23:52 Uhr

Seit Tagen demonstrieren die Menschen im Iran - in Teheran soll es am Abend wieder Proteste gegeben haben. In Nadschafabad wurde ein Polizist erschossen. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 13. Bundesaußenminister Gabriel zeigte sich besorgt über die Gewalt.

Bei erneuten Protesten im Iran ist ein Polizist getötet worden. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Tasnim wurde der Beamte in Nadschafabad im Zentraliran von einem bewaffneten Demonstranten erschossen, drei weitere seien verletzt worden. In der Nähe Nadschafabads sei zudem eine Polizeiwache von Demonstranten angegriffen und in Brand gesetzt worden. Unklar ist allerdings, wann sich der Vorfall ereignet hat.

Auch andernorts setzten sich die Proteste fort. in der Hauptstadt Teheran seien seit Einbruch der Dunkelheit kleinere Gruppen von Demonstranten in der Innenstadt unterwegs und skandierten regierungsfeindliche Parolen, heißt es in sozialen Medien. Auch Bilder von brennenden Autos waren zu sehen. Die Nachrichtenagentur Mehr meldete, ein "Unruhestifter" habe ein Taxi in Brand gesetzt und sei danach geflohen. Auch die Nachrichtenagentur Fars verbreitete das Foto von einem brennenden Wagen.

Festnahmen und Tote bei Protesten im Iran
tagesschau 20:00 Uhr, 01.01.2018, Natalie Amiri, ARD Teheran

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Demonstrationen seit Donnerstag

Die landesweiten Proteste hatten am Donnerstag begonnen. Sie richteten sich zunächst vor allem gegen die hohe Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen, inzwischen zielt die Kritik jedoch gegen die Führung des Landes. Mindestens 13 Menschen wurden seit Beginn der Proteste getötet und Dutzende festgenommen.

Das Staatsfernsehen berichtete, in mehreren Städten hätten zuletzt angeblich bewaffnete Demonstranten staatliche Einrichtungen attackiert. Angriffe auf Polizeiwachen sowie Militärkasernen seien jedoch von Polizei und Sicherheitskräften vereitelt worden, berichtete das Staatsfernsehen, ohne Details zu nennen.

Natalie Amiri, ARD Teheran, über die Unruhen im Iran
tagesschau24 15:00 Uhr, 01.01.2018

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Rouhani: "Menschen fordern mehr Freiheiten"

Am Nachmittag fand im Parlament in Teheran eine Krisensitzung statt, an der Präsident Hassan Rouhani und Mitglieder der Sicherheitskommission teilnahmen. Ruhani sagte in der Sitzung, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen. "Auch sind die Probleme der Menschen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern sie fordern auch mehr Freiheiten", so Rouhani.

Er kritisierte damit indirekt die Hardliner, die die Umsetzung seiner politischen und kulturellen Reformen blockieren. "Aber die Regierung hat nicht alles unter ihrer Kontrolle", sagte Rouhani, der sich als Präsident bei vielen strategischen Belangen oft dem erzkonservativen Klerus beugen muss. Seiner Meinung nach sollten die Proteste daher nicht als Gefahr, sondern als Chance angesehen werden.

Applaus von Netanyahu

Verbale Unterstützung erhalten die Demonstranten vom israelischen Ministerpräsidenten. Benjamin Netanyahu wünschte den Demonstranten "Erfolg bei ihrer noblen Suche nach Freiheit". In einem Video, das auf YouTube veröffentlicht wurde, bezeichnete Netanyahu die Protestteilnehmer als mutig und heldenhaft. Die Demonstranten wollten Freiheit, Gerechtigkeit und "die Grundfreiheiten, die ihnen seit Jahrzehnten verweigert worden sind". Der Regierungschef kritisierte die Reaktion der iranischen Regierung auf die Proteste. Europäische Regierungen würden "schweigend" zusehen, während die Proteste in Gewalt umschlügen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel forderte die Führung in Teheran auf, die Versammlungsfreiheit zu respektieren. "Ich bin sehr besorgt angesichts der jüngsten Entwicklungen in Iran und der Meldungen über weitere getötete Demonstranten und zahlreiche Verhaftungen. Wir appellieren an die iranische Regierung, die Rechte der Demonstranten zu respektieren, sich zu versammeln und frei und friedlich ihre Stimme zu erheben", sagte der SPD-Politikerin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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