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28.05.2012

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Ausland
Anschläge im Irak (Foto: AFP)
Irak: Mindestens 50 Menschen bei Anschlägen getötet
Mehr als 60 Tote im Irak

Blutige Anschläge und eine ungelöste Machtfrage

Erneut hat es im Irak Anschläge gegeben, mehr als 60 Menschen wurden getötet. Das Land ächzt unter den ungelösten ethnisch-religiösen Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten, was zu Machtkämpfen unter den Politikern führt.

Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman

Drei Schlagzeilen aus dem Irak dieser Tage: "Doppelanschlag auf Polizeiakademie in Bagdad", "Vizepräsident Haschimi nennt Anschuldigungen gegen ihn politisch motiviert" und "Stärkere Überwachung der syrisch-irakischen Grenze. Sie alle haben Bezug zu den Anschlägen, denen landesweit am Morgen etwa 60 Menschen zum Opfer fielen.

Audio: Dutzende Tote bei Anschlagsserie im Irak

AudioUlrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman 23.02.2012 11:55 | 3'02
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Sunniten fühlen sich benachteiligt

Hintergrund sind anhaltende Spannungen zwischen den politischen Blöcken Iraks, Spannungen entlang der ethnisch-religiösen Grenzen. Die Minderheit der Sunniten, die unter Saddam Hussein das Sagen hatte, fühlt sich politisch benachteiligt, auch wenn sie formal mit in der Regierung sitzt, die vom Schiiten Nuri al Maliki geführt wird. Dieser will seit dem Abzug der US-Truppen Ende letzten Jahres reinen Tisch machen und sunnitische Kräfte an die Seite schieben.

Vizepräsident Tarek al Haschemi, einen Sunniten, verfolgt Maliki per Haftbefehl: Er soll ein Todeskommando geführt haben. Der Beschuldigte verschwand in den kurdischen Norden und hält - siehe oben - die Vorwürfe für politisch motiviert.

Anschlag in Bagdad (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Fünf Stadtteile Bagdads wurden von den Anschlägen erschüttert. ]

Extremisten nutzen Konflikte für ihre Zwecke

Radikale Elemente nehmen solche Vorgänge zum Anlass, opferreiche Anschläge wie kurz vor Weihnachten, Anfang und Mitte Januar und nun wieder zu verüben. Die Opfer sind meist Schiiten. Für den irakischen Journalisten Hiar Osman ist klar, dass sein Land so keine Stabilität finden kann. "Beide großen politischen Blöcke haben es genauso wenig wie die USA acht Jahre lang geschafft, nötiges Vertrauen aufzubauen. Unser Hauptproblem bleibt das Misstrauen zwischen den politischen Lagern, zwischen Sunniten und Schiiten."

Dieses Misstrauen führte zu politischem Stillstand im Irak und zur Verschlechterung der Sicherheitslage. Die jetzige Regierung hat auch weit mehr als ein Jahr nach ihrem Start noch immer keinen Innen- und Verteidigungsminister - Schlüsselpositionen für die Stabilität. 950.000 Angehörige von Armee und Polizei konnten fast 2500 Gewaltopfer im vergangenen Jahr nicht verhindern. Oft waren sie selbst Ziel von Anschlägen.

Versöhnung liegt da in weiter Ferne. Racheakte sind wahrscheinlich, besonders nach Anschlagsserien wie heute, die allein in den vergangenen zwei Monaten 250 Opfer forderten. Zudem wirkt der Bürgerkrieg beim Nachbarn Syrien auf den Irak, selbst wenn man die 600 Kilometer lange gemeinsame Grenze zur Verhinderung von Waffenschmuggel und Terrorexport nun stärker überwachen will.

Anschlag in Bagdad (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mindestens 50 Menschen wurden bei den Anschlägen getötet. ]

Irak - ein abschreckendes Beispiel für Syrien?

"Der Aufstand in Syrien hat die Gewalt im Irak angeheizt", urteilt Hillal Khaschan von der Amerikanischen Uni Beirut. Das Regime in Damaskus mache deutlich, dass andere hineingezogen werden, wenn es selbst leiden muss. "Syrien signalisiert dem Westen: Wenn er härtere Maßnahmen gegen sein Regime ergreift, spielt Assad seine Karten im Irak oder anderswo in der Region aus", fügte Khaschan hinzu.

Assads Drohung, ethnisch-religiöses Chaos wie im Irak nach Saddam mit 160.000 Toten drohe auch Syrien, wirkt nach innen wie nach außen. Nachbarn wie Irak, Libanon und Jordanien sind erheblich vorsichtiger mit Maßnahmen gegen Syrien als Staaten am Golf.

Stand: 23.02.2012 14:03 Uhr
 

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