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Bei einer Serie von Anschlägen sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen. Innerhalb weniger Minuten explodierten Sprengsätze vor öffentlichen Gebäuden. Eines wird deutlich: Die Sicherheitskräfte sind von Terroristen unterwandert.
Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman
Über dem Zentrum von Bagdad liegt schwarzer Rauch. Fünf Autobomben waren am Vormittag innerhalb einer Stunde explodiert. Eine koordinierte Aktion – erneut. Die Opferzahl steigt beständig. Wieder waren schwer bewachte öffentliche Gebäude das Ziel, diesmal das Arbeits- und Innenministerium. Außerdem eine Universität, eine Polizei-Patrouille und ein Markt.
Die heutigen Anschläge ähneln den Doppelanschlägen vom August und Oktober. Mehr als 250 Menschen starben damals bei Explosionen vor anderen Regierungseinrichtungen.
[Bildunterschrift: Rettungskräfte suchen nach Überlebenden der Anschläge in Bagdad. ]
Noch vor Tagen hatte die irakische Regierung für Oktober die niedrigste Gewalt-Opferzahl seit dem US-Einmarsch vor knapp sieben Jahren verkündet: 122 Tote, eine fragwürdige Bilanz.
Schon in den Vormonaten schwankten die Opferzahlen stark. Jeden Tag gibt es Schießereien, Explosionen und die Zahl versuchter Anschläge steigt vehement an. Unter den Einwohnern Bagdads herrscht Angst: "Dauernd Anschläge. Viele Tote. Natürlich leben wir in Angst – überall wo du unterwegs bist, kann es passieren", sagt ein Passant.
Eines wird nach Serienanschlägen im Herzen Bagdads immer deutlicher: Die irakischen Sicherheitskräfte sind von Terroristen unterwandert. Unter der ethnisch und religiös gespaltenen Bevölkerung herrscht tiefes Misstrauen gegenüber der eigenen Armee und Polizei.
Politikwissenschaftler Azad Othman von der Universität Erbil gibt ausländischen Kräften die Schuld an der anhaltenden Instabilität in seinem Land: "Ich glaube, Nachbarländer haben eine lange Hand in dieser Sache. Europäer und Amerikaner müssen verstehen, die Sicherheit im Irak bedeutet auch Sicherheit in der Region. Der Frieden der Welt und der in der Region ist abhängig von der Sicherheit im Irak."
Hohe irakische und US-Militärs warnen vor zunehmender Gewalt bis zur Parlamentswahl. Die Abgeordneten in Bagdad hatten erst am Sonntag nach monatelangem Tauziehen den Weg für die Wahl frei gemacht. Als Termin wurde inzwischen der 7. März festgelegt, wie der Präsidentschaftsrat bekanntgab.
Mitte März endet die Legislaturperiode. Und der für mehr Sicherheit angetretene Regierungschef Nuri Al-Maliki ist durch die nicht abreißenden Attacken angeschlagen. Die Terroristen wollen den Irak destabilisieren und zeigen, dass seine Regierung nicht für Sicherheit sorgen kann. Jeder weitere Anschlag bringt auch die Abzugspläne von US-Präsident Barack Obama ins Wanken. Seine Kampftruppen sollen bis nächsten August das Land verlassen, alle anderen Einheiten bis Ende 2011.
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