Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

10.02.2012

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.EinsExtra Aktuell
    09:00 - 20:00 Uhr
  • VideoLivestream.tagesschau 15:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 11:45 Uhr
Inhalt
Ausland
Der letzte Priester von Bagdad
Christen im Irak

Der letzte Priester von Bagdad

Seine Gemeindemitglieder sind geflohen, genau wie die anderen Priester. Die Gefahr, in Bagdad getötet zu werden ist einfach zu groß. Doch der 83-Jährige Bruder Dilkha bewacht noch immer seine Kirche - auch wenn keine Gläubigen mehr kommen.

Von ARD-Hörfunkkorrespondent Björn Blaschke, z. Zt. Bagdad

Kirche in Bagdad (Foto: AFP) [Bildunterschrift: Eine christliche Kirche in Bagdad ]
In Bagdads Stadtteil al-Dora stehen vier Kirchen und ein Priesterseminar. Doch wie ihre Gemeindemitglieder sind auch die Geistlichen des Viertels in den vergangenen Jahren geflohen – ins Ausland oder in den mehr oder weniger sicheren Norden des Irak. Alle – bis auf einen. Ein Priester hält die Stellung: Oraha Dilkha ist der Name des Assyrers. Mit seinem langen weißen Bart sieht der 83-Jährige aus wie ein Weihnachtsmann, allerdings wie ein zierlicher und schon arg gebeugter.

Selbstverständlich sei er in seiner Kirche geblieben, sagt er. Dabei ist das gar nicht selbstverständlich: Die genaue Zahl derer, die seit dem Sturz des alten Regimes im Irak Opfer der Gewalt wurden, ist unklar. Sie liegt irgendwo zwischen 80.000 und einer Million. Und unter diesen vielen Opfern sind auch Christen – Assyrer, Chaldäer, Katholiken, Armenier. Bruder Dilkha konnte jedoch kein Attentat in die Flucht schlagen; keine Schießerei zwischen Milizionären und Sicherheitskräften, keine Entführung.

"Gott hat auf micht aufgepasst - und ich auf die Kirche"

Im Januar 2006 habe er den letzten Gottesdienst abgehalten, erzählt er. Manchmal öffne er heute das Tor zum Grundstück der Kirche, aber es komme eigentlich nie jemand vorbei. Damals sei er einfach auf dem Kirchengelände geblieben. Gott habe auf ihn aufgepasst. Und er, Bruder Dilkha, auf die Kirche. Alle seien gegangen, er nicht. Dabei habe ihm niemand befohlen zu bleiben. Er sei geblieben, weil er die Kirche schützen wollte – vor Plünderern. Und: Wie man ja sehe, sei sein Plan aufgegangen.

Tatsächlich ist die schlichte Kirche mit ihren weißgetünchten Mauern in einem tadellosen Zustand. Auf dem Altar liegt eine alte Bibel, die Bänke für Teilnehmer der Gottesdienste sehen aus, als wären sie frisch poliert. Lediglich ein paar Fenster wurden zerschossen; gestürmt aber wurde die Kirche nie.

Barmherzige Menschen brachten Brot

Ganz allein war Bruder Dilkha indes in all den Jahren nicht. Als assyrischer Gottesmann ist ihm der heilige Stand der Ehe nicht verwehrt – und so hat er eine Frau. Gemeinsam meisterten sie die gefährlichen Zeiten, wobei ihr Hauptproblem war, Lebensmittel zu beschaffen. Manchmal seien barmherzige Menschen gekommen, um Brot zu bringen, berichtet der Geistliche. Manchmal habe er seine Frau zum Markt geschickt. Aber weil sie beide alte Menschen seien, müssten sie ohnehin nicht so viel essen.

Stimmung im Irak:

Animation Umfrage 2008

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage von ARD, ABC, BBC und NHK [Flash|HTML]

"Die Zukunft kennt nur Gott - und die Amerikaner"

Heute, da die Gewalt etwas zurückgegangen ist, würde Bruder Dilkha gerne einmal wieder seine Kirche richtig sauber machen und einen Gottesdienst abhalten. Ob er damit rechne, dass bald geflohene Schäfchen in den Schoß der Gemeinde zurückkehren? Der 83-Jährige will nichts zur Zukunft sagen. Die kenne nur Gott. Und die Amerikaner. Deren Dollar-Scheine bestimmten doch mittlerweile den Lauf der Dinge – zumindest im Diesseits.

Stand: 22.03.2008 04:39 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW