Iraker trauern vor den Särgen gefallener Soldaten | Bildquelle: dpa

Kämpfe im Irak ISIS-Kämpfer kommen Bagdad näher

Stand: 26.06.2014 16:03 Uhr

Die sunnitische Terrorgruppe ISIS setzt ihren Vormarsch auf Bagdad fort und steht inzwischen nur noch eine Stunde von der Hauptstadt entfernt. ISIS-Kämpfer nahmen nach Angaben aus Sicherheitskreisen den Ort Mansurijat al Dschabal ein. In der Nähe liegen Erdgasfelder, auf denen ausländische Firmen aktiv sind.

Auch in Mossul im Norden des Landes und in Tikrit wird wieder gekämpft. Offenbar versucht die irakische Armee, die ISIS wieder aus beiden Orten zu vertreiben. Am Mittag eroberte sie das Universitätsgelände von Tikrit zurück. Mossul und Tikrit waren vor zwei Wochen von ISIS-Einheiten eingenommen worden.

Irak mit Bagdad, Al Kaim und Tikrit.
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Irak mit Bagdad, Al Kaim, Mossul und Tikrit.

Angesichts des Vormarsches der ISIS-Kämpfer ist die irakische Armee dringend auf militärische Unterstützung angewiesen. Bereits seit Dienstag sind amerikanische Militärberater im Irak aktiv. Außerdem soll der Iran nach Informationen der "New York Times" militärische Ausrüstung zu Verfügung gestellt haben.

Für Verwirrung sorgte eine Meldung der britischen BBC, wonach Syrien in die Kämpfe im Irak eingegriffen habe. Der Sender zitierte den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki mit den Worten, die syrische Luftwaffe habe am Dienstag ISIS-Stellungen in der Nähe der Grenzstadt Al Kaim bombardiert.

Später korrigierte die BBC das Zitat. Maliki habe vielmehr gesagt, syrische Flieger hätten die ISIS auf der syrischen Seite des Grenzortes attackiert. Syrische Staatsmedien hatten zuvor Berichte über einen solchen Einsatz zurückgewiesen.

Vorbereitungen für Regierungsbildung

Angesichts des Vormarsches der Terrorgruppe drängt der Westen weiter auf die Bildung einer Regierung, die alle Bevölkerungsgruppen des Landes umfasst. Der britische Außenminister William Hague führte dazu Gespräche in Bagdad, nachdem sein amerikanischer Kollege John Kerry sich bei Maliki eine Abfuhr eingeholt hatte.

Allerdings unternimmt Maliki, der der schiitischen Bevölkerungsmehrheit angehört, nun offenbar Schritte, um eine neue Regierung zu bilden. Das Präsidialamt setzte formell die erste Sitzung des neuen Parlaments ein, das im April gewählt worden war.

Malikis Schiiten-Bündnis hatte dabei die meisten Sitze gewonnen, benötigt aber die Unterstützung anderer schiitischer Gruppierung sowie der Sunniten und Kurden. Wie Maliki ein neues Bündnis schmieden will, zeichnet sich noch nicht ab. Das Parlament wählt laut Verfassung den Ministerpräsidenten.

Kurden treiben eigene Pläne voran

Die Sunniten werfen Maliki seit langem vor, sie an den Rand zu drängen. Die Kurden wiederum genießen eine weitgehende Autonomie und zeigen zunehmend Bestrebungen, einen eigenen Staat auszurufen.

Der Präsident der Kurden-Region, Masud Barsani, reiste heute erstmals zu einem Truppenbesuch in die nordirakische Stadt Kirkuk. Die Kurden hatten infolge des Rückzugs der Armee vor den ISIS-Kämpfern die Kontrolle über die ölreiche Stadt übernommen.

Die dschihadistische ISIS (Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien) kämpft für einen sunnitischen Staat, der Gebiete beider Staaten umfasst.

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