In Duhok im Nordirak feiern Kurden das Unabhängigkeitsreferendum.  | Bildquelle: REUTERS

Referendum im Nordirak Kurden stimmen offenbar für Unabhängigkeit

Stand: 27.09.2017 08:22 Uhr

Die irakischen Kurden haben nach Angaben der Regionalregierung mehrheitlich für die Unabhängigkeit gestimmt. Zahlen wurden nicht genannt. Kurdenführer Barsani forderte Bagdad zu Gesprächen auf - Ministerpräsident Abadi reagierte mit einer Drohung.

In ihrem international kritisierten Unabhängigkeitsreferendum haben die irakischen Kurden nach Angaben ihrer Regionalregierung mehrheitlich mit "Ja" gestimmt. Genaue Zahlen sollen im Laufe des Tages bekanntgegeben werden.

Die Behörden in den autonomen Kurdenregionen hatten von einer Wahlbeteiligung von mehr als 70 Prozent gesprochen. Es gibt allerdings viele Berichte über Unregelmäßigkeiten. Einige Menschen sollen demnach mehrere Stimmen abgegeben haben oder ohne ordnungsgemäße Registrierung an dem Votum teilgenommen hätten.

Regionalpräsident Massud Barsani forderte die irakische Zentralregierung zu einem "ernsthaften Dialog statt Drohungen" auf. "Verhandlungen sind der richtige Weg, um Probleme zu lösen", betonte Barsani.

Bagdad lehnt Gespräche ab

Der Ausgang des Referendums ist nicht bindend, soll Barsani aber ein Mandat für Verhandlungen mit der Regierung in Bagdad und den Nachbarstaaten geben.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi | Bildquelle: AP
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Ministerpräsident al-Abadi lehnt die kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen ab.

Die irakische Zentralregierung lehnt Gespräche über eine Unabhängigkeit der Kurden ab. Ministerpräsident Haidar al-Abadi sagte, er werde die Einheit seines Landes nicht aufgeben. Das Referendum nannte er einen historischen und strategischen Fehler der kurdischen Führung.

Al-Abadi forderte die Kurden auf, binnen drei Tagen die Kontrolle der Flughäfen im Norden des Landes an die Zentralregierung zu übergeben. Sollte dies bis Freitag nicht geschehen, werde man den Luftraum sperren und keine Flüge mehr aus oder in den Nordirak zulassen, drohte er.

Iran verurteilt Referendum als "Hochverrat"

Insgesamt leben in der Region etwa 30 Millionen Kurden, verteilt auf die vier Staaten Irak, Iran, Syrien und die Türkei. Die Regierungen in Ankara, Damaskus und Teheran hatten sich gegen die Abstimmung ausgesprochen. Sie befürchten, dass auch in ihren Ländern kurdische Autonomiebestrebungen erstarken könnten.

Die Türkei hält Militärmanöver an der Grenze zum Irak ab, auch der Iran hatte am Wochenende Soldaten im Grenzgebiet üben lassen. Der iranische Militärberater Jahja Rahim Safawi verurteilte das Referendum als "Hochverrat".

Auch die Bundesregierung hatte sich gegen das Referendum ausgesprochen. Im Nordirak sind deutsche Soldaten stationiert, die kurdische Peschmerga für den Kampf gegen den IS ausbilden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2017 u.a. um 05:00 und 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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