Iraksische Soldaten vor Ramad | Bildquelle: AP

Kampf gegen den "Islamischen Staat" IS in der Defensive

Stand: 26.12.2015 18:36 Uhr

Irakische Truppen stehen offenbar vor der Rückeroberung Ramadis. Es wäre der nächste Erfolg im Kampf gegen den IS, der 2015 etwa 14 Prozent seines Herrschaftsbereiches eingebüßt hat. Geländegewinne erzielten hingegen die syrischen Kurden.

Die irakische Armee ist in das Zentrum der Stadt Ramadi vorgerückt. 300 IS-Kämpfer halten sich dort zurzeit verschanzt. Die Stadt werde "in den kommenden 72 Stunden vollständig" befreit sein, sagte ein Armeesprecher.

"Wir sind nicht auf starken Widerstand gestoßen, nur Heckenschützen und Selbstmordattentäter, doch war dies eine Taktik, die wir erwarteten", sagte Sprecher Sabah al-Noman der speziellen Anti-Terror-Einheit, die den Einsatz anführt.

Der "Islamische Staat" hatte die westirakische Stadt im Mai eingenommen. Die Hauptstadt der Provinz Al-Anbar gilt als strategisch wichtig. Mit Hilfe von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition versucht die irakische Armee seit Monaten, Ramadi zurückzuerobern. Zuletzt konnte sie bis an das Zentrum der Stadt heranrücken.

Irakische Soldaten vor Ramadi | Bildquelle: AP
galerie

Die irakische Armee hatte Ramadi im Mai an den IS verloren.

Hält der IS Zivilisten fest?

Gestern hatte die Regierung dem IS vorgeworfen, er hindere Bewohner Ramadis daran, die Stadt vor der Offensive zu verlassen. Einigen Familien sei zwar die Flucht aus dem vom IS kontrollierten Stadtzentrum gelungen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Terrormiliz halte aber andere fest, um sie als menschliche Schutzschilde gegen die Offensive einzusetzen.

Am Sonntag hatte die Luftwaffe über Ramadi Flugblätter abgeworfen, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, die Stadt binnen 72 Stunden zu verlassen.

IS verliert 14 Prozent seines Herrschaftsgebietes

Sollte der IS die Kontrolle über Ramadi tatsächlich verlieren, wäre es der nächste Rückschlag für die Terrormiliz. Das US-Institut IHS Jane's Conflict Center hat berechnet, dass der "Islamische Staat" im Jahr 2015 ungefähr 14 Prozent seines Herrschaftsbereiches verloren hat. Die von den Terroristen kontrollierte Fläche verkleinerte sich demnach um rund 12.800 auf nun 78.000 Quadratkilometer. Der geschrumpfte Herrschaftsbereich entspricht in etwa der Fläche Tschechiens. Große Teile des IS-Gebietes bestehen allerdings aus Wüste. Mehrere Millionen Menschen leben unter IS-Kontrolle, allein die nordirakische IS-Hochburg Mossul zählt laut Schätzungen fast zwei Millionen Einwohner.

IHS news @IHS_news
Islamic state's caliphate shrinks by 14% in 2015, read more about the groups losses - https://t.co/QJfHLph6Q7 #ISIS https://t.co/uWLNx9K6gD

Zu den Verlusten zählten die strategisch wichtige Stadt Tal Abdschad an der syrisch-türkischen Grenze, die irakische Stadt Tikrit und die Raffinerien beim irakischen Baidschi. Zudem verloren die Extremisten die Kontrolle über einen Teil einer strategisch wichtigen Schnellstraße zwischen Rakka in Syrien und Mossul im Irak. Der IS eroberte dagegen etwa Palmyra in Syrien sowie Ramadi und Anbar im Irak.

Die Verluste des IS machten sich demnach für die Dschihadisten auch finanziell bemerkbar. Einige Einbußen hätten etwa die Kapazitäten zur Produktion und zum Verkauf von Öl eingeschränkt.

Kurden auf dem Vormarsch

Wie das Institut weiter mitteilte, konnten die syrischen Kurden das von ihnen kontrollierte Territorium nahezu verdreifachen. Sie kontrollierten inzwischen 186 Prozent mehr Land als noch Anfang Januar.

Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres große Teile Syriens und des Nordiraks erobert. Einheimische Truppen und eine internationale Allianz unter Führung der USA bekämpfen den IS in beiden Ländern aus der Luft. In Syrien fliegt seit Ende September auch Russland Luftangriffe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Dezember 2015 um 14:00 Uhr.

Darstellung: