Deutscher Soldat und kurdischer Peschmerga-Kämpfer | Bildquelle: dpa

Peschmerga-Kämpfer Bundeswehr will Kurden wieder ausbilden

Stand: 20.10.2017 17:59 Uhr

Laut Verteidigungsministerium hat sich der Konflikt zwischen Irakern und Kurden beruhigt. Die Ausbildung der Peschmerga-Kämpfer könne daher fortgesetzt werden. Allerdings gibt es aus der Region Berichte über neue Kämpfe.

Die Bundeswehr will die derzeit ausgesetzte Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer wieder aufnehmen. "Wenn sich bis Sonntag keine gravierende Lageänderung ergibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Ausbildung wieder aufgenommen wird", sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Jens Flosdorff. Allerdings werde die Lage in der Region weiterhin genau beobachtet.

Die Bundeswehr hatte wegen des Konflikts zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad die Ausbildung der Peschmerga am Freitag vergangener Woche unterbrochen. "Mittlerweile hat sich die Lage schon wieder beruhigt", sagte aber Flosdorff. Zu Berichten über neue Kampfhandlungen im Nordirak sagte er, diese hätten nicht verifiziert werden können. "Das steht nicht im Einklang mit Informationen, die wir gestern Abend von beiden Seiten erhalten haben."

Flosdorff wies darauf hin, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sich wegen des Konflikts am Donnerstag mit Verbündeten abgestimmt habe, darunter auch US-Verteidigungsminister James Mattis. Von der Leyen habe auch mit dem Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan, Massud Barsani, und mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi gesprochen. Diese hätten zugesichert, sie wollten sich um einen politischen Ausgleich bemühen.

Neue Gefechte im Norden

Das gemeinsame Operationskommando des Iraks berichtete jedoch aktuell von schweren Gefechten im Norden des Landes. Einheiten von Armee, Polizei und schiitischen Milizen hätten den Ort Altin Köprü in der umstrittenen Provinz Kirkuk eingenommen.

Peschmerga leisteten zunächst Widerstand gegen die vorrückenden Regierungskräfte. Dabei setzten sie einem unbestätigten Bericht eines kurdischen Senders zufolge auch die Panzerabwehrwaffe "Milan" ein, die Deutschland für den Kampf gegen den IS geliefert hatte.

Nach offiziellen kurdischen Angaben kamen bei den Gefechten etwa 30 Peschmerga-Kämpfer ums Leben. Eine unabhängige Bestätigung gibt dafür aber es nicht.

Der Konflikt zwischen beiden Seiten war eskaliert, nachdem die Kurden ihre Unabhängigkeitspläne vorangetrieben hatten. Die irakische Zentralregierung lehnt eine solche Abspaltung strikt ab. Bei den eingenommenen Gebieten handelt es sich um Regionen, die sowohl von Bagdad als auch von den Kurden beansprucht werden.

Setzten Kurden deutsche Panzerabwehrwaffe ein?

Der Sicherheitsrat der Kurden warf Armee und Milizen vor, sie hätten Altin Köprü am Morgen angegriffen. Auf Videos im Internet war Gefechtslärm zu hören. Bilder zeigten, wie Truppen und gepanzerte Fahrzeuge in den Ort fahren. Altin Köprü liegt rund 50 Kilometer südlich der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil. Er war der letzte von den Peschmerga kontrollierte Ort in der Provinz Kirkuk.

Einem Bericht der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw zufolge setzten die Kurden bei den Gefechten die Panzerabwehrwaffe "Milan" ein und zerstörten zwei gepanzerte Fahrzeuge. Die Panzerabwehrwaffe hatte Deutschland für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" an die Peschmerga geliefert. Der kurdische Sicherheitsrat wiederum erklärte, Armee und Milizen hätten US-Waffen benutzt.

Schwere Vorwürfe an schiitische Milizen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete von Übergriffen und Plünderungen in dem Ort Tus Churmatu, den Iraks Truppen Anfang der Woche unter Kontrolle gebracht hatten. Ein Augenzeuge habe erklärt, dass in einem vor allem von Kurden bewohnten Gebiet Geschäfte gebrannt hätten. Läden seien geplündert worden. Die UN-Mission im Irak hatte bereits am Donnerstag gemeldet, ihr lägen Berichte vor, denen zufolge bewaffnete Gruppen 150 Häuser angezündet hätten.

Die einflussreichen Schiitenmilizen waren in der Vergangenheit mehrfach beschuldigt worden, Übergriffe auf Zivilisten begangen zu haben. Die bewaffneten Gruppen stehen zwar offiziell unter Befehl von Regierungschef Haidar al-Abadi, führen aber ein Eigenleben. Finanziert werden sie vom ebenfalls schiitischen Iran.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2017 um 18:00 Uhr.

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