ISIS-Kämpfer im Irak | Bildquelle: AFP

Benzin- und Stromversorgung gefährdet ISIS attackiert Iraks größte Raffinerie

Stand: 18.06.2014 13:15 Uhr

Die ISIS-Dschihadisten haben die größte irakische Raffinerie angegriffen. Sie drangen laut Behörden in den Raffineriekomplex von Baidschi 250 Kilometer nördlich von Bagdad ein. Die Sicherheitskräfte versuchten, sie zurückzuschlagen. Mehrere Öltanks seien in Brand geraten.

Ein Angestellter der Raffinerie sagte, die Beschäftigten seien geflohen. Mehrere Soldaten seien bei den Kämpfen getötet oder verletzt worden. Die Raffinerie war am Vorabend wegen des Vormarschs der Dschihadisten geschlossen worden.

In der Raffinerie wird rund ein Viertel der irakischen Fördermenge verarbeitet. Ihre Lieferungen sind für den inländischen Gebrauch bestimmt. Jeder längere Ausfall in Baidschi würde zu lange Warteschlangen an Tankstellen und Stromknappheit führen.

Kämpfe vor Bagdad

ISIS hatte vergangene Woche in einer Blitzoffensive Mossul und die umliegende Provinz Ninive sowie Teile der angrenzenden Provinzen erobert. Vielerorts zog sich die Armee kampflos zurück, zahlreiche Soldaten desertierten.

Zwischenzeitlich rückten ISIS-Kämpfer, die auch von gemäßigten Sunniten unterstützt werden, bis nah an die Hauptstadt Bagdad heran. Die irakische Regierung startete aber inzwischen eine Gegenoffensive und eroberte eigenen Angaben zufolge mehrere Städte zurück.

Militärführer abberufen

Wegen der Niederlagen entband Premier Nuri al Maliki ranghohe Militärs in den von ISIS überrannten Regionen von ihren Aufgaben. Sie hätten versagt, ihre Stellungen verlassen und ihre Pflicht nicht erfüllt. Zu den Abberufenen zählt auch der für die Region Ninive verantwortliche Generalleutnant Mahdi al Gharrawi. In der Region liegt Mossul.

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Rohani garantiert Schutz für heilige Stätten

Angesichts des Vormarschs des sunnitischen ISIS sagte Irans Präsident Hassan Rohani, sein Land werde alles zum Schutz der heiligen Stätten im Nachbarland tun. "Die Großmächte, ihre Lakaien, die Mörder und Terroristen" müssten wissen, dass das iranische Volk alles zum Schutz der schiitischen Imam-Gräber in Kerbela, Nadschaf, Kadhimidschah und Samarra tun werde.

Rohani hatte dem Irak bereits zuvor Unterstützung im Kampf gegen den Vormarsch der Dschihadisten zugesagt.

Schiitische und sunnitische Spitzenpolitiker rufen zur Einheit auf

Gestern Abend hatten sich erstmals sunnitische und schiitische Spitzenpolitiker in Bagdad zum Dialog getroffen. An dem Treffen nahmen der schiitische Ministerpräsident Nuri al Maliki, Ex-Übergangsregierungschef Ibrahim al Dschafari, der sunnitische Parlamentspräsident Osama al Nudschaifi, der ebenfalls sunnitische Vize-Premierminister Saleh al Mutlak und der schiitische Energieminister Hussein al Schahristani teil.

Sie forderten die Bevölkerung auf, zusammenzustehen. Sunniten und Schiiten müssten eine Einheit gegen die "Terroristen" bilden.

Dutzende Ausländer entführt

Aus verschiedenen Landesteilen wurden Entführungen gemeldet. 40 Inder, die zumeist als Bauarbeiter in Mossul tätig waren, werden nach offiziellen Angaben aus Neu Delhi vermisst. Hinzu kommen etwa 100 Iraker, die bereits am Dienstag nach einem Überfall auf einen Gemüsemarkt verschleppt worden sein sollen. Der Angriff ereignete sich in der Ortschaft Muwailaha, 60 Kilometer südlich der Hauptstadt. Wer die Geiselnehmer sind, war zunächst ebenso unklar, wie der Aufenthaltsort der Geiseln.

Laut einem türkischen Medienbericht nahmen ISIS-Kämpfer 60 ausländische Arbeiter als Geiseln, darunter 15 Türken. Die Arbeiter seien auf der Flucht vor Gefechten gewesen, sagte ein später freigelassener Iraker der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Damit wären fast 100 Türken in der Gewalt von ISIS. In Mossul hatten die Extremisten in der vergangenen Woche im türkischen Konsulat 49 Menschen in ihre Gewalt gebracht, darunter auch den Generalkonsul. Zudem wurden in der Region 31 türkische Lastwagenfahrer entführt.

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