Kämpfe im Irak Vormarsch der Islamisten stockt
Stand: 12.06.2014 19:39 Uhr
Im Irak droht angesichts des Vormarschs der islamistischen Terrorgruppe ISIS eine Staatskrise. Derzeit stehen die Kämpfer etwa 60 Kilometer nördlich vor der Hauptstadt Bagdad.
Dort wurde ihr Vormarsch unterbrochen, nachdem bei Gefechten mit der irakischen Armee und Polizeikräften etwa 50 ISIS-Kämpfer getötet wurden.
Keine Unterstützung für Maliki im Parlament
Trotz der islamistischen Bedrohung verweigerte das irakische Parlament Premierminister Nuri al Maliki eine Ausweitung seiner Befugnisse. Zu einer Dringlichkeitssitzung, bei der Maliki den Notstand ausrufen lassen wollte, erschienen lediglich 128 von 325 Abgeordneten. Damit wurde das nötige Quorum verfehlt und die Sitzung abgebrochen. Im Irak herrscht seit langem Streit zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden. Dem schiitischen Premier Maliki werfen seine Gegner vor, nur die Interessen der Schiiten zu vertreten.
Dies ist mit ein Grund für den schwindenden Rückhalt von Maliki. Offiziere machen ihn für die Schwäche des Widerstands gegen die Extremisten verantwortlich. Ein Armeekommandant nannte "das Fehlen eines moralischen Führers" als einen der Gründe, weshalb viele irakische Soldaten vor den ISIS-Kämpfern geflohen seien.
Kurden schützen sich selbst
Im Norden des Landes haben sich inzwischen regionale Truppen formiert um sich selbst gegen die ISIS zu schützen. Die ölreiche Stadt Kirkuk sei nun in der Hand der Peschmerga - den Streitkräften der kurdischen Autonomieregion. Deren Offiziere sagten, sie wollten Kirkuk nicht mehr an irakische Truppen zurückgeben. Seit der US-Invasion 2003 war die nordirakische Stadt ein ständiger Streitpunkt zwischen irakischen und kurdischen Kräften.
Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele von ihnen versuchen das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.
Kämpfe im Irak
tagesschau 20:00 Uhr, 12.06.2014, Thomas Aders, ARD Kario
Islamisten regieren Mossul, Maliki hofft auf die USA
In der Stadt, die sich in den Händen der ISIS befindet, haben die Islamisten inzwischen ein Kommandozentrum eingerichtet und neue Gesetzen für die eroberte Stadt erlassen. Der Konsum von Drogen, Alkohol und Zigaretten wurde unter Strafe gestellt, ebenso das sichtbare Tragen von Waffen. Auch Versammlungen sind verboten. Dieben soll die Hand abgehackt werden. Polizisten und Soldaten wurden aufgefordert, sich zu ergeben. Stammesführer wurden davor gewarnt, die irakische Regierung zu unterstützen.
Nun hofft Maliki auf Hilfe aus den USA. Laut einem US-Beamte habe er darum gebeten, den Kampf gegen die Islamisten mit Drohnen zu unterstützen. Laut der "New York Times" will die US-Regierung jedoch keine Drohnen in den Irak schicken.
