Panzer der irakischen Armee in der Nähe von Mossul (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Nach Kurden-Referendum Iran und Irak halten Militärmanöver ab

Stand: 02.10.2017 17:50 Uhr

Eine Woche nach dem Kurden-Referendum bleibt die Lage im Nahen Osten weiter angespannt. Truppen des Irans und des Iraks sind im Grenzgebiet zu einem zweitägigen gemeinsamen Manöver zusammengekommen. Die demonstrative Militärübung ist die erste beider Länder seit 1979.

Nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak haben die Regierungen in Teheran und Bagdad mit einem gemeinsamen Manöver den Druck auf die Kurden erhöht.

Die zweitägige militärische Übung soll den Willen der beiden Nachbarländer gegen eine "Desintegration der Region" demonstrieren. Sowohl Bagdad als auch Teheran haben das Referendum als illegal und verfassungswidrig verurteilt und das Ergebnis nicht anerkannt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars findet das Manöver iranischer und irakischer Truppen in drei verschieden Grenzgebieten zum Nordirak statt. Panzer, Artillerie, Drohnen und Flugzeuge sind daran beteiligt.

Erstes gemeinsamen Manöver seit 1979

Es handelt sich um die ersten iranisch-irakischen Manöver seit der islamischen Revolution 1979. In den vergangenen Tagen hatten bereits der Irak und die Türkei Manöver im Grenzgebiet abgehalten.

Die irakische Regierung forderte die Kurden im Nordirak derweil auf, "jegliche Eskalation und Provokation in den Gebieten zu vermeiden, die sie besetzt haben".

Regierungssprecher Saad al-Hadithi sagte, insbesondere die Verlegung von Peschmerga-Einheiten in der nordirakischen Provinz Ninive müsse aufhören. Zudem solle die ölreiche Provinz Kirkuk an Bagdad zurückgeben werden. Die kurdischen Peschmerga kontrollieren die Provinz Kirkuk, die eigentlich von Bagdad verwaltet wird. Die Zukunft dieser umstrittenen Gebiete ist einer der Hauptstreitpunkte zwischen Erbil und Bagdad.

Erdogan reist in den Iran

Am Mittwoch reist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Teheran, um über die Unabhängigkeitsbestrebungen der irakischen Kurden zu sprechen. Die Türkei und der Iran sind strikt gegen einen unabhängigen Kurdenstaat, da sie fürchten, dass dies ihre eigenen kurdischen Minderheiten in ihrem Unabhängigkeitsstreben bestärkt.

Bereits am Samstag stoppte der Iran den Ölhandel mit der kurdischen Autonomieregion. Auch die Türkei drohte, den Ölexport der irakischen Kurden zu stoppen. Die Zentralregierung in Bagdad hatte die Nachbarländer aufgefordert, künftig nur noch mit ihr Ölgeschäfte abzuwickeln.

Zudem forderte sie die Kurden auf, ihr die Kontrolle über ihre beiden Flughäfen sowie über alle Grenzübergänge zu übergeben. Da die Kurden dem nicht Folge leisteten, wurden alle internationalen Flüge in die Region ausgesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2017 um 18:36 Uhr.

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