Fußballfans vor Stadion im Irak

Länderspiel im Irak 90 Minuten Normalität

Stand: 02.06.2017 17:02 Uhr

2013 wurde in der irakischen Stadt Basra ein hochmodernes Fußballstadion eröffnet. Genutzt wurde es in den vergangenen vier Jahren aber nicht: Aufgrund der Sicherheitslage im Land musste die Nationalmannschaft ihre Spiele im Ausland austragen. Bis gestern.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Studio Kairo

Für die irakischen Fußballfans war es ein Festtag. Schon vor dem Anpfiff wurde ausgelassen gefeiert, getrommelt und gesungen. 65.000 Zuschauer tauchten das ausverkaufte Stadion von Basra in ein Fahnenmeer.

Es war zwar "nur" ein Freundschaftsspiel, zu dem die irakische Fußballnationalmannschaft da gegen das kleine Nachbarland Jordanien antrat. Doch die Fans hatten vier Jahre lang auf diesen Abend warten müssen: Aufgrund der unsicheren Sicherheitslage im Land hatte der Fußballweltverband FIFA den Irak für Heimspiele gesperrt. Die Nationalelf musste stattdessen nach Jordanien oder Katar ausweichen.

90 Minuten ohne Terror

Erst vor wenigen Tagen, kurz nach Beginn des Fastenmonates Ramadan, gab es abends einen heimtückischen Anschlag auf eine von vielen Menschen besuchte Eisdiele mitten in Bagdad. Dutzende Menschen starben. Doch im Stadion von Basra und zu Hause vor dem Fernseher konnten die Zuschauer den blutigen Terror zumindest für 90 Minuten vergessen. 

Die irakischen Fans verwandelten das Freundschaftsspiel gegen Jordanien in ein Fußball-Fest. Schon als die irakische Nationalhymne angekündigt wurde, jubelten die Menschen voller Stolz. Einer von vielen Gänsehaut-Momenten. 

Zuschauer Ali Hussein fasste in Worte, was das ganze Land bewegte: "Dieses Spiel bringt alle Iraker zusammen, egal ob Norden oder Süden. Wir hoffen, dass das ein neuer Anfang für den Irak und sein Volk ist."

FIFA-Entscheidung naht

Insgesamt 5000 Polizisten und Ordnungskräfte sicherten das Fußballspiel im hochmodernen Stadion von Basra. Es war erst 2013 eröffnet worden. "Wir hoffen, dass wir nun bald auch wieder Pflichtspiele in unserem Land austragen dürfen", sagte Ali Jabar, der Generalsekretär des irakischen Verbandes. Die FIFA will in den kommenden drei Monaten eine Entscheidung treffen.

Die Schlüsselszene des Spiels war dem irakischen Kapitän Alaa Abdul-Zahra vorbehalten: Nach einem perfekten Pass von Hammadi Ahmed schoss er in der 15. Minute das 1:0. Es war der Siegtreffer.

Torjubel statt Terror - Irakische Fußballnationalelf gewinnt erstes Heimspiel nach vier Jahren Sperre
Cornelia Wegerhoff, ARD Kairo
02.06.2017 15:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juni 2017 um 13:26 Uhr

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